Entspannt selbstständig - Nicht so einfach wie es klingt

Selbstständig und entspannt – ist das möglich, wo man doch selbst und ständig arbeitet? Inzwischen habe ich herausgefunden: Jaaaain! Aber der Weg war lang und steinig, denn 2012 steckte ich in einem Tief, aus dem ich erst mühsam herauskrabbeln musste. Leider stand ich auch öfter, als mir lieb war wieder am Abgrund des Tals, wodurch es immer wichtiger wurde, dass ich Wege finde, effizienter zu arbeiten und so mehr Zeit für die schönen Dinge im Leben zu haben.

Wie ich das geschafft habe? Was mich manchmal doch wieder zurückwirft? Das möchte ich dir in diesem Blogbeitrag erzählen, der gleichzeitig als Beitrag für die Blogparade von Simone Weißenbach fungiert. Dabei geht es darum, mehr darüber zu erfahren, wie andere mit der Frage umgehen, ob Selbstständigkeit und Entspannung ein Mysterium sind bzw. wie man dieses Ziel erreicht.

In der Ruhe liegt die Kraft? Nein im richtigen Mindset!

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, hatte ich immer Menschen an meiner Seite, die mich inspiriert und gefördert haben – auf ihre ganz eigene Weise. Sei es das Abitur zu meistern, mich selbstständig als Dozentin und Coach zu machen oder irgendwann meine Liebe für das Schreiben zu entdecken.

Doch ich habe dabei lange Zeit einen großen Fehler gemacht – ich habe versucht, die Stärken dieser Menschen zu imitieren. Ich wollte

  • genauso erfolgreich sein,
  • genauso seriös wirken,
  • genauso effizient arbeiten,

und habe dabei nie meinen eigenen Weg gefunden. So kam es, dass ich irgendwie immer eine Maske trug, hinter der ich mich versteckte und versuchte, irgendwer anderes zu sein – und es vor allem immer allen Recht machen zu wollen, weil ich dachte, das bringt eine Selbstständigkeit eben so mit sich, um Kunden zu bekommen und halten.

Anfang diesen Jahres kam ich dann aber an einen Punkt, da wurde mir langsam klar, dass das Schwachsinn ist. Entweder man bucht mich, weil ich bin wie ich bin – oder es bleibt. Und so begann ich mich innerlich und auch äußerlich schrittweise zu verändern. Während ich früher beispielsweise nur nudefarbenen Nagellack bei Kunden trug, weil ich es für richtiger hielt, trage ich inzwischen auch in Erstgesprächen meine Lieblingsfarben – denn wenn mich jemand wegen so etwas Lapidarem nicht bucht, weil ich nicht in sein Unternehmen passen würde, dann würden auch andere Punkte bald aufkommen. Sei es meine Art zu reden, zu denken, zu coachen.

Letzteres sorgte leider bei einem Kunden dafür, dass der Auftrag ohne Verlängerung auslief – aber wenn ich dafür nicht mehr gebucht werde, meine Teilnehmer dort „abzuholen“ wo sie gerade sind, um den Erfolg des Coachings zu vergrößern – statt als Oberlehrer reden darüber zu halten, was doch alles sein könnte, wenn sie sich mal nicht so hätten … Dann ist das okay. 🙂

Andererseits entschied ich mich auch einen Auftrag nicht zu verlängern, weil ich mit der Zielgruppe überhaupt nicht zurechtkam. Dafür kamen aber andere, viel besser passende Buchungen, die deutlich mehr Spaß machten und mir die Zusammenarbeit mit spannenden, inspirierenden Menschen bescherte.

Was ich dabei lernte? Ich muss mich nicht um jeden Preis verbiegen, denn für jeden Kunden gibt es den passenden Auftragnehmer – oder andersrum, für jeden Coach die passende Zielgruppe. Wichtig ist nur, dass man sich das klar macht, um Frust und Stress zu vermeiden!

Chaos ist gut – Organisation allerdings besser

Was ich auf dem Weg zu dieser Erkenntnis auch erkennen musste, ist, das Chaos durchaus charmant und menschlich ist, aber manchmal auch schlichtweg nervtötend. Doch leider halfen die lieben und ermunternden Tipps einfach nicht, die ich dankbar annahm und versuchte umzusetzen. Auch dort musste ich meinen eigenen Weg finden, um mich wirklich zu strukturieren – auf Dauer.

Irgendwie passte kaum ein Zeitmanagement-Tool für mich in seiner Reinform und so kam es dazu, dass ich mir einen selbst einen Kalender bastelte, der meinen Wünschen und Vorstellungen entsprach. Ja ich organisiere mich in Schriftform, weil ich es einfach angenehmer und schöner empfinde. Ich liebe handschriftliche Notizen, Kritzeleien und Brainstormings und finde das Gefühl einen erledigten Punkt abzuhaken noch viel befreiender. Jedes grüne Häkchen in meinem Kalender ist wie ein kleiner erledigter Meilenstein.

Okay okay, das klingt jetzt wahrscheinlich seltsam, aber wer u.a. schon einmal an Burnout erkrankt war oder zur Prokrastination (=notorisches Aufschieben von Arbeiten) tendiert, weiß vielleicht aus eigener Erfahrung, wie schwer manchmal die einfachsten Dinge fallen und wie wichtig ein gutes Gefühl samt ein wenig Eigenlob ist. 🙂

Das Positivste daran: Durch meine eigenen Erfahrungen mit dem Thema Zeitmanagement für Chaoten habe ich beschlossen, auch anderen auf dem Weg zur besseren Selbstorganisation zu helfen – denn nur weil man Bücher über das Thema liest oder sich Tipps holt, bedeutet das nicht, dass man die Sachen auch im Alltag 1:1 umsetzen kann. Im Gegenteil. Jeder Mensch ist individuell – und für jeden Menschen gibt es die passende Lösung.

Multitasking ist toll, aber für mich eher hinderlich

Hattest du auch schon mal das Gefühl, nicht richtig zu funktionieren, weil Multitasking einfach nicht dein Ding ist? So ging es mir auch lange, bis ich über einen Blogartikel von Carina Herrmann stolperte, der auch in mir ein Licht aufgehen ließ: Ich bin nicht der Typ für Multitasking. Es ist toll und ich bewundere Menschen, die das können. Aber ich brauche den Fokus und die Leidenschaft für eine Sache – sonst setze ich sie nicht um.

So habe ich es mir angewöhnt erst ein neues Projekt zu starten, wenn das alte mindestens beinahe fertig ist. Zugegeben, so schaffe ich oberflächlich betrachtet weniger als andere in der Zeit. Aber dadurch, dass ich mein Herzblut in eine Sache stecke, fühle ich mich wohler damit und bin beim Arbeiten motivierter. Leider bezahlen nicht alle Kunden dieses Herzblut, sondern einen möglichst geringen Aufwand.

Auch da muss ich von Zeit zu Zeit entscheiden, wie ich einen geeigneten Kompromiss zwischen 150 % Katja Schönefeld und den Ansprüchen des Kunden finde.

Selbstständigkeit + Familie + ich = Manchmal gar nicht so einfach

Klang das bisher alles so perfekt? Dann muss ich an dieser Stelle einräumen, dass es manchmal gar nicht so leicht ist, Arbeit und Familienalltag zu vereinen. Nicht wegen der mangelnden Flexibilität, sondern weil ich einfach gerne arbeite – immer. Aber meine Männer (vor allem der Kleine) haben auch ihre Bedürfnisse und Wünsche, denen ich mich stellen will und muss – schließlich vergeht die Zeit so schnell und schon in ein paar Jahren werde wahrscheinlich ich die sein, die um einen „Termin“ zum Monopoly spielen bittet. 😉

Daher blocke ich mir im Kalender täglich bzw. wöchentlich Stunden, in denen ich nur meiner Familie zur Verfügung stehe und mein Tablet oder Rechner zu Hause bzw. aus bleiben.

Wenn das blinkende und surrende etwas in der Nähe ist, wäre es vielleicht nicht so einfach „Nein“ zur Erreichbarkeit zu sagen, doch so sehe und höre ich nichts – und es geht trotzdem.

Die Angst vor Tiefschlägen

Woran ich wirklich arbeiten muss, ist meine Fähigkeit, Tiefschläge zu riskieren und kassieren. Ich muss doch zugeben, dass ich nicht sehr risikofreudig bei der Arbeit bin, wodurch ich mir sicher schon so manche Chance entgehen lassen habe. Ein Beispiel gefällig?

Neulich erzählte mir eine Kollegin, dass eine Ethik-Lehrerin in der Erwachsenenbildung gesucht würde und ich das über meine Abschlüsse sicher abdecken und übernehmen konnte. Äußerlich lächelte und nickte ich – aber in mir zog sich alles zusammen.

  • Was, wenn ich wirklich den Auftrag bekommen würde?
  • Das wäre einerseits eine tolle Chance – aber würde ich das schaffen?
  • Wie sollte ich eine ganze Klasse voller junger Menschen händigen, die wahrscheinlich nicht mal fünf bis zehn Jahre jünger sind als ich?
  • Wieso sollten die gerade mich wollen?

Und so fand ich immer mehr Argumente, mit denen ich mich von dieser Idee abkapselte. -> Was natürlich vollkommender Quatsch ist! Daher fragte ich auch nach einigen Tagen noch mal nach, was aus der Stelle geworden ist und harre nun der Dinge.

Für die Zukunft ist es mein großes Ziel, solche Gedanken erst gar nicht aufkommen zu lassen. Mir ist klar, dass das nur eine (anerzogene) Kopfsache ist und mir grundsätzlich alle Türen und Tore offen stehen – ich muss nur hindurchgehen.

Bist du entspannt in deiner Selbstständigkeit? Dann los! Ich bin sicher, Simone freut sich über weitere Beiträge bzw. Antworten, auch wenn der Einsendeschluss für die Blogparade schon ein paar Tage vorüber ist. 😉 Alternativ hinterlasse mir einen Kommentar – ich freue mich schon auf deine Nachricht.

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