Huhu 🙂

In diesem Monat jährt sich mal wieder der Beginn meiner Dozententätigkeit. Seit nunmehr fünf Jahren begleite ich Erwachsene bei der Aus- und Weiterbildung – puh, was ich dabei so alles erlebt habe.

Von lustigen Geschichten wie …

  • das jemand eine Tätowierung zeigen wollte und hierfür seine Hose runterließ oder
  • sich jemand bis auf die Unterhose und Socken nackig machte, weil er sich umziehen wollte (nein, meine Coachings haben nichts mit Sexualität zu tun :D),
  • über hitzige Diskussionen,
  • bis hin zu tränenreichen Momenten, wenn es um die Themen Gewalt und sexueller Missbrauch ging, war alles dabei.

Heute möchte ich allerdings den Aufruf zur Blogparade von Christina Emmer zur 21-Tage-Sichtbarkeits-Challenge nutzen, mehr darüber zu erzählen, wie alles begann, sich entwickelte und welche Hürden ich dabei meistern musste.

Einen kleinen Rückblick findest du auch auf meiner Über mich-Seite.

Wie hat alles angefangen?

Hätte man mich vor sechs Jahren gefragt, wo ich mich heute sähe, wäre die Antwort wahrscheinlich vollkommen anders ausgefallen. Damals wollte ich eigentlich im sozialen Bereich arbeiten, da ich während meiner Ausbildung zur Bürokauffrau feststellte, dass die bloße Büroarbeit mich einfach nicht erfüllt.

Daher nahm ich im Herbst 2008 ein Studium im Bereich Sozialwissenschaften auf. Mein Schwerpunkt war die qualitative Sozialwissenschaft, bei der Erhebungen beispielsweise nicht durch standardisierte Interviews erfolgen, sondern individuelle, oft Stunden andauernde Befragen zu spezifischen Sachverhalten durchgeführt werden. Mir war es weniger wichtig eine große Menge an Menschen zu befragen, sondern mehr über die einzelnen Individuen und ihre Lebensgeschichte zu erfahren.

Leider ist der Bedarf an derartigen Fachkräften in der Wirtschaft nicht sehr groß, weshalb viele Sozialwissenschaftler nach dem Studium Probleme haben einen Arbeitsplatz zu finden. Damit wir am Ende nicht auch die nächste Generation von Wartenummerziehern beim Arbeitsamt werden, initiierte ein Team von Dozenten und Coaches ein Projekt, um angehende Sozialwissenschaftler fit für den Arbeitsmarkt zu machen – und genau da beginnt meine Geschichte als Dozentin.

Teil des Studiums war es ein Praktikum zu absolvieren – doch ich hatte keine Ahnung wo. Ein Coach aus dem Projekt vermittelte mich daraufhin an einen hiesigen Bildungsträger, bei dem ich in ein Teenie-Mütter-Projekt rutschen sollte. Leider klappte das nicht ganz, sondern ich wurde einer Weiterbildung für Langzeitarbeitslose zugeteilt. Nachdem ich im Unterricht anfangs nur assistierte, ermutigte mich meine Teamchefin schon bald, selbst den Unterricht zu führen (unter ihrer Obhut natürlich).

Oh Gott, war ich aufgeregt.

Oh Gott, war ich schlecht.

Ich hätte mich selbst im Nachhinein nicht ertragen – aber bis dato kannte ich fast ausschließlich nur den klassischen Frontalunterricht und hatte keine Ahnung von Unterrichtsmethodik oder didaktischen Prinzipien.

Wie hast Du Deine Berufung als Coach gefunden?

Auch wenn es seltsam klingen mag: Ich habe sie nicht gefunden, denn nachdem die ersten Stunden so grausam abliefen, hätte ich es am liebsten wieder gelassen. Doch meine Teamchefin sah wohl deutlich mehr in mir und schlug mich 2011 für eine Weiterbildung zur Ausbilderin vor. Dort lernte ich in 120 Stunden ein Grundmaß an Methodik, Didaktik, Pädagogik und rechtlichen Dingen – und lernte meinen künftigen Mentor, Siegbert Walter, kennen.

Wie waren die ersten Schritte in die Selbständigkeit? Wie hast Du Deine ersten Kunden gewonnen?

Er nahm mich nach der bestandenen Ausbildereignungsprüfung unter seine Fittiche und teilte seinen großen Erfahrungsschatz mit mir. Was mindestens genauso hilfreich war: Er stellte mich einigen seiner Geschäftskontakte vor, wodurch ich meine ersten Aufträge in Kooperation mit ihm bekam. Klingt perfekt, oder?

Zu perfekt – und plötzlich … ging nichts mehr

Doch bevor ich diese wirklich alle annehmen konnte, ging plötzlich gar nichts mehr. Ich hatte zu dieser Zeit vier Jobs, studierte, hatte einen kleinen Sohn (der es total doof fand nachts zu schlafen 😉 ) und jede Menge Selbstzweifel, ob ich das alles überhaupt schaffen würde. Nachdem es immer schlimmer wurde, ich nicht mal mehr meinen kleinen Sonnenschein versorgen konnte, überredeten mich mein Mann und meine beste Freundin, doch mal einen Arzt aufzusuchen. Diagnose Burn-out.

Es dauerte knapp ein Jahr, bis ich wieder gesund war. Ich versuchte zwar mit der Zeit, die größten Baustellen wieder zum Laufen zu kriegen, doch es brauchte viel Aufmunterung durch meinen Mann und Freunde, sowie lange Gespräche mit Herrn Walter, bis es soweit war, dass ich endlich wieder vor eine Klasse treten konnte.

Als der erste Kurs nach der Zwangspause geschafft war, ging ich wie auf Wolken und das Eis war endlich gebrochen. Langsam rappelte ich mich wieder auf und erarbeitete mir ein Mindestmaß an Selbstbewusstsein. (Das heute noch ausbaufähig ist. 😉 )

Welche Hürden hattest Du am Anfang zu bewältigen?

Ganz abgesehen von diesem persönlichen Problem, musste ich allerdings auch als Dozentin einige Hürden nehmen. In meinem Artikel zur Blogparade „Entspannt selbstständig“ hatte ich bereits angedeutet, dass es gar nicht so einfach war, meinen eigenen Weg zu finden. Vor allem zu Beginn schafften es Kunden mich bei Erstgesprächen und auch während der Zusammenarbeit völlig zu verunsichern.

Gründe dafür waren auch, dass ich sehr oft den Eindruck hatte, dass man mich als junge Frau oftmals nicht für voll nahm. Mein Alter und Geschlecht machten einigen Lehrgangsleitern Angst, ob ich mir der Verantwortung bewusst war. Doch Herr Walter legte seine Hand für mich ins Feuer, wodurch ich meistens wenigstens die Chance bekam – und nutzte.

Zugegeben, ein Grund war sicherlich auch mein Auftreten. Ich hatte bei den Erstkontakten meistens mehr Angst alles andere und das sah man mir wahrscheinlich auch an *lach*. Inzwischen ist das aber besser geworden – auch, weil mein Anspruch nicht mehr unbedingt ist, den bestmöglichen Eindruck zu machen, sondern mich einfach so gebe wie ich bin. Aufgeregt bin ich natürlich trotzdem immer! 😉

Wie bist Du am Markt mit Deiner Leistung sichtbar geworden? Was hat Dir, falls das schon geschehen ist, den Durchbruch gebracht?

Auf dem regionalen Dozentenmarkt: Durch Herrn Walter und meine Arbeit.

Leider ist er vor rund zwei Jahren unerwartet verstorben, was einen tiefen Einschnitt bedeutete. Ich habe selten einen Menschen getroffen, der so inspirierend war und sein Wissen freimütig teilte. Ich habe ihn schon damals sehr geschätzt und die Treffen bzw. Zusammenarbeit mit ihm genossen. Aber im Nachhinein bereue ich, nicht vielleicht noch öfter mit ihm Zeit verbracht zu haben.

Bislang habe ich allein rund 500 Menschen erfolgreich zur Ausbildereignungsprüfung begleitet und um die 60 zu Tagesmüttern ausgebildet. Dazu kommen unzählige EDV-Kurse und Einzelcoachings. Dadurch werbe ich regional nicht. Das klingt vielleicht arrogant und wahrscheinlich verschenke ich dadurch Potenzial, aber ich habe meine Stammkunden und gewinne regelmäßig neue dazu, da mich Teilnehmer, Kollegen oder Projektleiter weiter empfehlen.

Das ist einer der Gründe, wieso ich immer wieder eine Lanze für Netzwerken breche. Leider habe ich das erst später gelernt, aber es ist vor allem für GründerInnen so wichtig, diesen deutschen Gedanken der verhassten Konkurrenz abzulegen und einfach zusammenzuarbeiten. Getreu dem Motto „Gemeinsam ist man stark“.

Natürlich empfehle auch ich Kollegen weiter oder vermittle direkt zwischen Auftraggeber und Dozenten. Ein Grund hierfür ist auch, dass ich in den letzten Jahren gelernt habe, dass ich nicht alle Themen betreuen kann und daher ein festes Profil habe für das ich brenne und es aus dem Effeff beherrsche.

Im Internet dagegen bin ich total unbekannt, was allerdings auch meine Schuld ist – ich hab den Trend einfach zuspät erkannt und vorher immer nur Projekte für andere aufgezogen, statt mich selbst darzustellen. Seit Ende letzten Jahres hole ich dies nun langsam nach, aber streckenweise habe ich noch etwas Probleme mit der Internet-Mentalität beim Marketing, daher wird sich mein Bekanntheitsgrad wahrscheinlich nur schleppend vergrößern: Persönlich hasse ich aggressive Werbung und werde sie deshalb auch nicht anwenden.

Welche Mittel (Website, Blog, Facebook, Flyer, Vorträge, etc.) hast Du dafür eingesetzt?

  • Offline setze ich nur auf meine Seminare.
  • Online setze ich auf meine Seite, Kooperationen mit anderen tollen Bloggern, Coaches und Dozenten und Facebook. Ich habe auch einen Twitter-, Xing- und Instagram-Account, aber leider bin ich da nicht so aktiv, wie ich könnte. *hust*

Wie ist Dein Business jetzt aufgebaut bzw. wo hast Du noch Baustellen?

Vorrangig halte ich Vorträge und gebe Seminare in meiner Region. Künftig möchte ich mir zusätzlich ein Standbein im Internet aufbauen, höchstwahrscheinlich mit Videokursen. Aber auch der Traum vom eigenen Fachbuch schlummert in mir. Leider habe ich erst ca. 20 Seiten geschrieben – da geht definitiv noch was. *lach*

Zu meiner Person gehören aber noch mehrere Jobs. Ich finde es wichtig, nicht nur ein Standbein zu haben, um Engpässe und Probleme auszugleichen. Daher arbeite ich auch immer noch

  • stundenweise als Bürokauffrau,
  • unterstütze meinen Mann beim Aufbau der Arbeitsvermittlung Mitteldeutschland,
  • als Coach in der Persönlichkeitsentwicklung,
  • an anderen Quellen für passiven Einkommen im Internet und
  • für die Diginauten,

um abgesichert zu sein. Für mich gab und gibt es nicht nur Plan A – den kann ich mir mit Familie nicht leisten. Aber ich bin auch nicht traurig darüber – ich mag die Abwechslung, muss mich allerdings immer wieder zwingen, auf meine Gesundheit aufzupassen.

Wie hat Dein Blog dazu beigetragen, dass Du sichtbar geworden und Kunden gewonnen hast?

Bislang habe ich zwei Kunden über meine Internetseite akquiriert. Woohooo! 😀 Klingt wenig, aber das stört mich nicht. Gott sei Dank habe ich ein Netz an anderen Aktivitäten und Einkommensquellen und bin daher nicht so sehr auf das schnelle Geld angewiesen.

Diesbezüglich tun mir die Coaches und Dozenten leid, die einen Schnellstart im Internet hinlegen müssen, um Geld zu verdienen. Diesen Druck stelle ich mir unheimlich groß war – weil auch das Angebot so riesig ist. In den letzten Monaten sprießen Online-Kurse und (kostenlose) Ebook wie Pilze aus dem Boden – gar nicht so einfach, sich da abzuheben und Erfolg zu haben.

Dazu kommen all die Windhunde, die den schnellen Erfolg und das schnelle Geld ala „3.456.74 Euro im ersten Jahr“ versprechen – was unter normalen Umständen leider nur schwer möglich ist. Aber auch da bin ich mir sicher, dass es bald zu einer Art Coaching-Angebotsblase kommt die platzt … Und dann die Selbstständigen übrig bleiben, die wirklich mit Fachwissen und Expertise ans Werk gehen – und mit dem Herz (statt Geldbeutel) bei der Sache sind. *Verschwörungstheorien spinn*

___________

Puh, was für eine Textwand. Falls du Lust hast die Fragen ebenfalls zu beantworten und von deiner Geschichte zu erzählen, fühle dich eingeladen, an dieser Blogparade teilzunehmen. Die Deadline ist zwar schon vorbei, aber ich bin sicher, die liebe Christina nimmt das nicht so ernst. 🙂

Übrigens: Danke nochmal an Christina für diese tolle Blogparade – es war sehr spannend die Fragen zu beantworten und dadurch die eigene Geschichte zu erzählen. <3

Liebe Grüße,
Katja

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