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10 Fehler, die du unbedingt einplanen solltest, damit dein E-Learning Webinar misslingt

Katja Schönefeld, Dozentin und Ausbilderin

Sep 19, 2017

Hallöli 🙂

Wie ich dir in meinem vorangegangenen Artikel zum Thema E-Learning Webinare bereits schrieb, stehst du als Dozent ganz anderen Herausforderungen in einem Webinar gegenüber, als in einem Präsenzkurs. Damit dein Webinar gelingt, verrate ich dir in diesem Artikel Fehler, die du unbedingt vermeiden solltest, um einen größtmöglichen Lernerfolg zu gewährleisten und nicht die Lust an Webinaren zu verlieren.

Bevor Missverständnisse beim Lesen dieses Textes aufkommen, möchte ich genau definieren worüber ich schreibe: Du lehrst oder lernst mehrere Wochen in Vollzeit (sprich acht Stunden am Tag) in einem virtuellen Klassenzimmer. Es geht nicht um Blended Learning (bei der Variante wechseln sich z. B. Webinare und Selbstlernphasen ab) oder kurze Webinare für dein Marketing.

Wer braucht schon einen Plan?

Vorbereitung wird völlig überbewertet. Vor allem wenn du das Kurs-Thema schon gefühlte 245354 Mal doziert hast. Also geh einfach online und fang an – was soll sich schon geändert haben?

Wolltest du schon mal in den Urlaub fahren und bist einfach losgefahren? Ohne entweder das Navi einzuschalten, einen Blick in den Straßenatlas geworfen zu haben oder eine Verkehrs-App bemüht zu haben? Und das obwohl du schon fünf Mal zu dem Ziel gefahren bist? Wahrscheinlich nicht. Denn der Verkehrt ändert sich einfach ständig. Es werden neue Straßen gebaut und andere werden wegen Baustellen gesperrt. Wieso kommst du also vielleicht auf die Idee ohne Vorbereitung einen Kurs starten zu wollen? Checke vor jedem Kursstart noch mal:

  • Wie wirst du vorgehen?
  • Ist das Thema sach- und lernlogisch aufgebaut?
  • Gibt es Neuigkeiten aus der Branche?
  • Sind deine Folien/ Arbeitsblätter etc. möglicherweise nicht mehr aktuell?
  • Kannst du sie eventuell ergänzen?
  • Bieten sich Ergänzungsthemen an?
  • Kannst du Themen dieses Mal anders vermitteln?

Denn nur dann kannst du dir sicher sein, dass Teilnehmer dich nicht auf dem falschen Fuß erwischen. Denn eins muss dir immer bewusst sein: Die Chance, dass neben deinem Webinar Google oder eine andere Suchmaschine schon darauf wartet, dein Gesagtes zu überprüfen, ist sehr hoch – also versuche Unsicherheiten direkt auszumerzen.

Ein Beispiel aus dem Webinar eines anderen Dozenten:

Die von ihm präsentierte AfA-Tabelle ist fast 20 Jahre als. Als er gefragt wird, ob die nicht inzwischen erneuert wurde, wird er unsicher und sagt: „Ja das kann schon sein. Das Finanzamt gibt da regelmäßig neue Tabellen raus. Ich werde nachher mal schauen, ob es eine Neuere gibt.“ BÄM. Ein Parade-Beispiel für fehlende Vorbereitung … Die Teilnehmer fangen natürlich sofort an danach zu suchen und entdecken auf der Seite der zuständigen Bundesbehörde, dass die AfA-Tabelle wirklich schon so alt ist. Und trotzdem misstrauen ihm die Teilnehmer! Denn, wenn er nicht mal weiß, dass die Tabelle sich nicht geändert hat, kann er sich ja gar nicht auf dem neusten Stand halten wollen. Das gibt direkt Minuspunkte.

Autorität? Das klingt so dominant!

Autorität wird leider für mich viel zu oft falsch verstanden. Meistens wird es mit Dominanz in einen Topf geworfen und ist ähnlich wie die Worte Manipulation und Geld von Haus aus negativ behaftet.

Doch weißt du was? Meiner Auffassung nach ist deine Autorität die Grundlage für erfolgreichen Unterricht. Dazu aber zunächst eine kleine Definition, was das überhaupt bedeutet:

  • „Autorität ist der, auf Leistung oder Tradition beruhender, Einfluss einer Person oder Institution und daraus erwachsendes Ansehen.“ 1
  • „Person, die wegen ihres fachlichen Könnens anerkannt ist“ 2

Wenn du dementsprechend keine Autorität besitzt, diese pflegst oder eventuell untergräbst, werden dir deine Teilnehmer nicht glauben. Daraus folgt im schlimmsten Fall, dass sie mehr damit beschäftigt sind, deine Inhalte zu hinterfragen, als sich damit auseinanderzusetzen. Also achte immer darauf, wie du über dich redest. Egal ob online, offline, während des Unterrichts, in den Pausen oder an ganz anderen Orten. Deine Teilnehmer müssen dir einfach vertrauen. Sonst brauchst du gar nicht in das Thema einsteigen.

Lügen haben doch gar keine kurzen Beine

Unserer Politiker reden sich Dinge schön, in der Werbung wird gelogen und auch du bist vielleicht schon mal mit einer Notlüge durchgekommen. Dann kommt es ja auf mehr Lügen auch nicht mehr an oder?

Aber im Unterricht fällt dir das direkt auf die Füße. Ehrlichkeit ist eine Grundlage für die eben angesprochene Autorität. Wenn du also beispielsweise

  • falschen Lernstoff vermittelst, statt zuzugeben, dass du nicht ganz sicher bist und noch mal nachsehen willst oder
  • deinen Lebenslauf aufhübschst, um mehr Autorität zu erlangen,

wird das aus drei Gründen definitiv negativ auf dich zurückfallen:

  • Die Welt ist klein und jemand kennt höchstwahrscheinlich die Wahrheit.
  • Es gibt Suchmaschinen die deine Aussagen binnen Sekunden widerlegen.
  • Du verhaspelst dich im schlimmsten Fall in deinem Netz aus Lügen.

Und schon ist das Vertrauen der Menschen in deine Kompetenz als Dozent dahin.

Und selbst wenn es dein allererster Kurs sein sollte, hast du die Wahl:

  1. Du sagst nicht, dass es den erster Kurs ist, antwortest aber auf Nachfrage aber mit der Wahrheit.
  2. Du sagst es den Teilnehmern. Stelle dabei aber in den Vordergrund, dass du bereits Erfahrungen in dem Fachgebiet gesammelt hast und du dich bestens darauf vorbereitest hast. Nur sei ehrlich. Dadurch hast du Menschen viel eher auf deiner Seite, als durch Lügen – denn jeder hat irgendwo mal beruflich sein erstes Mal.

Ein Beispiel dazu aus meiner eigenen Tätigkeit: Als ich im Herbst 2015 meinen ersten Kurs für Aus- und Weiterbildungspädagogen begann, gab ich gegenüber den Teilnehmern offen zu, dass dies mein erster Kurs dieser Art sei. Nicht unbedingt inhaltlich, aber was den Ablauf und vor allem die Rahmenbedingungen in der Prüfung anbelangte. Es gab allerdings auch einen anderen Dozenten in unserem Team, der behauptete Ahnung von der zu schreibenden Projektarbeit zu haben. Am Ende stellte sich allerdings genau das Gegenteil raus. Während ich dank meiner Ehrlichkeit weiter Feedback geben konnte mit dem Zusatz „Denk dran, das ist auch mein erstes Mal, aber ich an deiner Stelle würde so vorgehen …“ hatte dieser Kollege sein Vertrauen verspielt.

Begrüßen, Vorstellen und Verabschieden wird überwertet

Wie ich in meinem ersten Artikel über E-Learning Webinare bereits schrieb, kommt die soziale Komponente zu kurz. Da kommt es dann auf Begrüßungen am Morgen, Verabschiedungen am Nachmittag oder eine Vorstellungsrunde eh nicht mehr an.

Die Folge daraus ist allerdings die mangelnde Integration in das Gruppengeschehen.

  • Wer sich rausnimmt, neigt eher dazu sich ablenken zu lassen.
  • Wer abgelenkt ist, lernt nicht nachhaltig.
  • Damit ist das Lernziel völlig verfehlt.

Achte daher auf eine ausgedehnte Vorstellungsrunde am ersten Tag. Dies ist der Grundstein für eine positive Gruppendynamik, durch die Gruppenarbeiten zudem besser funktionieren. Auch wenn es schwerer ist, es ist nicht unmöglich das Miteinander auf einer E-Learning-Plattform zu fördern. Die hierfür aufgebrachte Zeit bekommst du später problemlos wieder rein, weil sich durch angeregte Gespräche, Diskussionen und eine offene Atmosphäre der Lernerfolg schneller einstellt.

Gruppenregeln braucht kein Mensch – wir sind doch alle Erwachsen

Wo wir gerade beim sozialen Miteinander sind. Der natürliche Respekt den Menschen voreinander haben geht nicht nur in sozialen Netzwerken schnell verloren – auch bei einem Webinar. Umso wichtiger ist es, dass du feste Regeln aufstellst – dazu gehören auch simple Sachen wie Seminar- und Pausenzeiten. Und die Bitte, dass selbst wenn die Pausenuhr tickt, Sätze noch zu Ende gesprochen werden können. Bei dem oben erwähnten Kollegen mit der AfA-Tabelle war es bereits am zweiten Tag so, dass die Teilnehmer mitten in seinem Satz riefen „Pause“ – und schwupp waren alle Mikrofone auf stumm gestellt – selbst wenn das Thema gar keine sinnvolle Unterbrechung gefunden hatte.

Daher ist eine meiner Regeln für dieses Problem auch, dass ich meine Seminarteilnehmer um etwas Geduld bitte. Es gibt einen Pausenbeauftragten, der mich freundlich auf die Pause hinweist, wenn ich die Zeit überziehe. Ich beende das Thema dann in Ruhe – verschiebe aber die Pause entsprechend. Damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht und finde es deutlich angenehmer, als einfach unterbrochen zu werden.

PowerPoint regelt das schon

Während dir in einem Seminarraum vielfältige Medien wie Beamer, Flipchart, Whiteboard, Karteikarten, Computer etc. zur Verfügung stehen, ist dein Möglichkeitsrahmen in einem Webinar beschränkt. Okay, du kannst Präsentationen darbieten und viele virtuelle Klassenzimmer bieten auch ein Whiteboard und ein Umfrage-Tool. Aber ganz ehrlich. Am Ende ist das alles doch digital.

Die meisten Lernenden brauchen aber etwas zum Anfassen oder Selbermachen, um einen größeren Lernerfolg zu erzielen. Am Besten ist es natürlich, wenn du alle Sinneskanäle ansprichst – denn so ist das Seminar für jeden geeignet, egal ob er/ sie ein

  • Auditiver Lerntyp
  • Visueller Lerntyp
  • Haptischer Lerntyp oder
  • Verbaler Lerntyp ist.

Plane daher auch Offline-Übungen ein, die ja durchaus auch im Unterricht gezeigt werden können.  Lass dir die Arbeitsblätter, Plakate oder was immer auch bearbeitet wird beispielsweise einscannen/ abfotografieren und zuschicken – dann kannst du sie über deinen Dozentenrechner zeigen. Tauscht euch im Anschluss über die verschiedenen Arbeiten aus und fordere die Gruppen zum Feedback auf. Diese Art Offline-Übungen ist nicht nur eine tolle Erholung von dem starren Blick auf den Monitor sondern fördert auch die Vertiefung des Lernstoffes.

Lese deine Präsentationen vor oder auch: Rede deine Teilnehmer einfach in den Schlaf

Gab es früher etwas schöneres als Omas/ Opas Märchenstunde? Wenn du daran anknüpfen möchtest, lies deine Folien unbedingt vor. Deine Teilnehmer werden es dir wahrscheinlich mit einem gesunden Schnarchen ins Mikrofon danken.

Du kannst aber natürlich auch nur Stichpunkte auf deinen Folien nutzen, um deine Teilnehmer dazu zu motivieren dir zuzuhören. Oder noch besser (sofern es das Thema anbietet): du erarbeitest ein Thema erst mit den Teilnehmern und zeigst dann deine Folie. So halte ich es persönlich und erreiche damit die besten Ergebnisse.

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Mitschreiben ist doof

Wer braucht schon Mitschriften bzw. Aufzeichnungen, wenn er/ sie sich einfach etwas ausdrucken kann? Bergeweise Kopien sehen schick aus und fühlen sich wichtig an.

Belasten aber die Umwelt und haben fast keinen Lerneffekt – außer wenn damit richtig gearbeitet wird. Lasse deine Teilnehmer lieber eigene Mitschriften erstellen und vermeide, deine Folien oder Daten rauszugeben – außer natürlich es ist unumgänglich für dein Thema. Egal ob per Hand oder in Word: beim Notizen machen denken deine Teilnehmer intensiv über den Lernstoff nach – was deutlich nachhaltiger ist, als wenn du deine Präsentation rausgibst, die ausgedruckt und abgeheftet wird. Zugegeben, ich habe immer wieder Teilnehmer, die über die vielen Mitschriften stöhnen. Aber nach der beanstandenden Prüfung sagen sie IMMER, dass es genau so richtig war.

Wiederholungen kosten nur unnötig Zeit

Egal ob im Webinar oder Präsenzkurs: Wiederholen ist das A und O. Lange Zeit glaubten die Menschen, dass unser Gehirn funktioniert wie ein Datenspeicher: einmal gesagt/ gesehen/ besprochen, bleibt der Stoff für immer erhalten. Doch so ist es nicht. Die Vergessenskurve nach Dr. Ebbinghaus zeigt relativ deutlich, wie schnell Wissen verloren geht, wenn es nicht regelmäßig wiederholt wird. Schon am Folgetag ist nur noch etwa ein Drittel des erlernten Wissens vorhanden – und das auch eigentlich nur, wenn wirklich während des Unterrichts mitgedacht wurde.

Die Vergessenskurve nach Dr. Ebbinghaus

Link zum Teilen dieser Infografik: https://katja-schoenefeld.de/wp-content/uploads/2017/09/vergessenskurve-wiederholen-dr-ebbinghaus-min.jpg

Da das Vermitteln von Lerninhalten in einem Webinar ohnehin schon viel schwerer ist, kommt bei den meisten Teilnehmern auch deutlich weniger an. Daher ist es umso wichtiger, dass du den Stoff regelmäßig wieder abfragst – und vor allem ihn dir erklären lässt und nicht einfach nur noch mal vorbetest.

Die Prüfung hat jeder vor Ihnen geschafft!

Sollten deine Teilnehmer wirklich Interesse an dem Thema haben, sabotiere sie ganz einfach, in dem du betonst wie sinnlos oder einfach diese Prüfung ist. So kannst du dir sicher sein, dass keiner aufpasst!

Nicht falsch verstehen. Ich möchte damit nicht sagen, dass man einen unnötigen Druck aufbauen sollte. Aber den Wert der Prüfung oder dessen Verlauf falsch darzustellen bringt überhaupt nichts. Ich werde in den nächsten Wochen noch darüber schreiben, dass man als Ausbilder und Dozent nie davon ausgehen sollte, dass Vorwissen und Verständnis für eine Sache selbstverständlich sind – daher ist die Verallgemeinerung, wie sinnfrei oder anspruchslos eine Prüfung sei, einfach falsch. Etwas was für mich mega schwer ist, ist für dich vielleicht sehr einfach – und umgekehrt. Zolle dem was du tust also lieber einen angemessenen Respekt und fördere das Interesse deiner Teilnehmer.


Muh, ich weiß, was für ein Monster-Artikel! Aber ich hoffe du konntest beim Lesen doch etwas Schmunzeln. 🙂

Hast du selbst schon ähnliche Dinge erlebt oder etwas ganz anderes? Rein damit in die Kommentare!

Fußnoten

  1. Quelle: Duden, auf: http://www.duden.de/rechtschreibung/Autoritaet; abgerufen am 18. September 2017
  2. Quelle: ThefreeDictionary.com: http://de.thefreedictionary.com/Autoritaten; abgerufen am 18. September 2017

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