1. Letztes Jahr konnten über 37.000 Ausbildungsstellen nicht besetzt werden. 1
  2. Im selben Jahr flüchteten fast 1.091.894 Menschen nach Deutschland. 2

Nun haben sich das

  • Bundesbildungsministerium,
  • die Bundesagentur für Arbeit und
  • das Handwerk

zu einer gemeinsamen Initiative zusammengeschlossen, um diese beiden Probleme anzugehen: Flüchtlinge sollen zu Handwerkern ausgebildet werden!

10.000 Flüchtlinge sollen in Handwerksbetrieben ausgebildet werden

Wie ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer bei der Vorstellung des Projektes bekannt gab, werde ein Vermittlungserfolg von 10.000 Asylbewerbern in 2 Jahren angestrebt. Ziel sei es, dass

  • anerkannte Flüchtlinge,
  • Asylbewerber und
  • Geduldete mit Arbeitsmarktzugang

zunächst mittels eines Qualifizierungs- und Betreuungssystems auf eine Ausbildung vorbereitet werden. Dafür sollen die potenziellen Teilnehmer einen Integrationskurs des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge durchlaufen und an dem Programm „Perspektiven für junge Flüchtlinge“ teilgenommen haben. So wolle man nicht nur dem Fachkräftemangel vorbeugen, sondern die Flüchtlinge auch nachhaltig integrieren. Zur Umsetzung steuert das Bundesbildungsministerium ganze 20 Millionen Euro bei.

Voraussetzungen zur Teilnahme an dieser Initiative

Um für eine Teilnahme an diesem Programm zu qualifizieren, müssen die Flüchtlinge folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Schulpflicht abgeschlossen,
  • unter 25 Jahre,
  • gute Deutschkenntnisse,
  • die o. a. Kurse durchlaufen haben sowie

den dreimonatigen Kurs Berufsorientierung für Flüchtlinge absolviert haben. Dieser findet in den Bildungszentren des Handwerks statt und soll den jungen Menschen ermöglichen, passende Berufe zu auszuwählen, indem Potenzialanalysen durchgeführt werden und über betriebliche Praktika in verschiedene Berufe reingeschnuppert werden kann.

Aufenthaltsstatus muss schneller geklärt werden

Hierzu ist es aber notwendig, dass der Aufenthaltsstatus schneller geklärt wird, damit nicht zu viel Zeit zwischen der Einreise und einer möglichen Teilnahme an dem Projekt vergeht. Andernfalls sinkt die Motivation und das Interesse an einer Ausbildung. Bei Vielen steht Geldverdienen an erster Stelle, um über die Runden zu kommen – doch die Ausbildungsvergütung ist oftmals geringer als der Lohn eines Helfers. Dementsprechend muss Aufklärungsarbeit geleistet werden, dass sich eine Ausbildung eben doch lohnt.

Persönliche Meinung zur Idee: Flüchtlinge sollen zu Handwerkern ausgebildet werden

Die Grundidee dieses Vorhabens ist wirklich klasse, denn ich denke ebenfalls, dass in vielen jungen Asylbewerbern Potenzial steckt, in Handwerksberufen unterzukommen. Ein Problem sehe ich allerdings in der Umsetzung in den Unternehmen später. Größere sprachliche Barrieren mögen über Sprachkurse ausgeräumt werden, doch damit ist die Integration in Betrieben nicht abgeschlossen.

Durch das (in vielen Fällen) fehlende Wissen über kulturelle Hintergründe stehen Ausbilder und Ausbildende vor ganz neuen Herausforderungen, auf die sie während der Ausbildung der Ausbilder nur unzureichend vorbereitet werden. Hier besteht dringend Nachholbedarf bei der Ausgestaltung der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO), um die künftigen Ausbilder auf diese Arbeit wenigstens ansatzweise vorzubereiten. Zwar gibt das Handlungsfeld 3 die Möglichkeit Themen wie Integration und Schwierigkeiten anzusprechen, doch die Zeit in vielen Vorbereitungskursen reicht leider nur für eine pädagogische Grundbesohlung aus und bereitet nur selten auf die Arbeit als Ausbilder mit Problem-Auszubildenden vor.

Darüber hinaus ist eine drohende Abschiebung ein Problem. Was nützt die Investition in neue Handwerker, wenn sie eventuell während oder nach der Ausbildung abgeschoben werden? Es liegen zwar bereits entsprechende Entwürfe für Regelungen vor, die beispielsweise

  • einen besseren Abschiebeschutz für Flüchtlinge in Ausbildung mit sich bringen und
  • eine Weiterbeschäftigung nach der Ausbildung ermöglichen,

aber eine abschließende Absegnung steht noch aus. Ich hoffe sehr, dass der Bundesregierung und allen Organisatoren dieser Initiative das Problem klar ist, denn es ist natürlich nicht mit der Idee „Flüchtlinge sollen zu Handwerkern ausgebildet werden“ getan! Damit das Ganze nachhaltig ist, müssen auch die Ausbildenden und Ausbilder in Handwerksbetrieben besser ausgebildet werden.

Fußnoten

  1. Quelle: http://www.sueddeutsche.de/karriere/berufsbildungsbericht-zahl-der-unbesetzten-lehrstellen-auf-neuem-hoechststand-1.2435867
  2. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Fl%C3%BCchtlingskrise_in_Deutschland_ab_2015#Offizielle_Prognosen_f.C3.BCr_2015_und_2016

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