Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten nach der Ausbildung – das solltest du als Ausbilder wissen

Ich kann mich noch gut an die Frage meiner Auszubildenden erinnern: „Du Katja … was kann ich eigentlich nach der Ausbildung machen?“ – Gute Frage. Da ich direkt nach der Ausbildung ein Studium aufgenommen und mich daher nicht weiter nach anderen Weiterbildungsmöglichkeiten umgesehen hatte, war mein erstes Gefühl Ratlosigkeit. Aus meinem Kurs für die „Ausbildung der Ausbilder“ wusste ich noch, dass es Fachwirte und Meister gibt – mehr auch schon nicht mehr. Die Vergessenskurve hatte erbarmungslos zugeschlagen. 😉

Daher möchte ich dir in diesem Artikel die wichtigsten Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Auszubildende vorstellen und dazu auch Tipps geben, wie die künftigen Facharbeiter Ihren Traum von einer Weiterbildung finanzieren können.

Bevor ich tiefer in das Thema eintauche, zunächst ein paar Argumente für die Fort- und Weiterbildung – denn obwohl „Lebenslanges Lernen“ in aller Munde ist, bedeutet das nicht, dass auch jeder (nicht mal Unternehmen …) einen Sinn darin sieht.

5 gute Gründe für Fort- und Weiterbildungen

Der Hauptgrund: Facharbeiter sollen beruflich handlungsfähig sein: Erinnerst du dich an das Hauptziel der Berufsausbildung?1

Das Hauptziel der Berufsausbildung: Verordnung über die Berufsausbildung zum Süßwarentechnologen und zur Süßwarentechnologin (Süßwarentechnologenausbildungsverordnung - SüßwAusbV

So oder so ähnlich ist es in jeder Ausbildungsordnung formuliert. Doch was nützt die Vermittlung der besten Fertigkeiten, Kenntnissen und Fähigkeiten sowie intensives Fördern von selbstständigem Planen, Durchführen und Kontrollieren, wenn diese berufliche Handlungsfähigkeit nach der Ausbildung verloren geht? Die technische Entwicklung geht rasant voran und fordert von uns, dass wir uns dem stetigen Wandel der Kommunikations- und Informationstechnologien fortwährend anpassen – denn sonst geht die Innovationskraft deutscher Unternehmen verloren.

Genau daraus resultieren vier weitere Konsequenzen:

  • Fort- und Weiterbildungen ermöglichen den beruflichen Aufstieg – denn wer befördert schon Mitarbeiter mit veraltetem Know-how?
  • Ohne die besagte Innovationskraft erhalten Unternehmen weniger Aufträge, wodurch im schlimmsten Fall Arbeitsplätze verloren gehen.
  • Eventuell möchte der Auszubildende sich aber auch selbstständig machen – was nicht nur vertiefendes Wissen erfordert, sondern in machen Fachrichtungen wie beispielsweise Dachdecker, Steinmetze, Gerüstbauer, Karosserie- und Fahrzeugbauer und Augenoptiker2 sogar eine Voraussetzungen ist.
  • Und zu guter Letzt (aber nicht weniger wichtig): Mit einer höheren Qualifikation verdienen Arbeitnehmer/ Selbstständige normalerweise auch mehr – wodurch sich der Lebensstandard deutlich erhöhen kann.

Was ist der Unterschied zwischen einer Fortbildung und Weiterbildung?

Fortbildung Weiterbildung
Wenn sich dein Auszubildender/ deine Auszubildende später in seinem derzeit ausgeübten Beruf oder Job weiterbildet, wodurch er neue Fähigkeiten und Fertigkeiten erlangt, die es ihm ermöglichen neue bevorstehende Aufgaben in seiner bisherigen oder neuen Position zu übernehmen, versteht man darunter Fortbildung. Dem gegenüber steht eine Weiterbildung, die nicht mit dem Beruf oder derzeitigen Job zu tun haben muss. Dabei kann es deinem/ deiner Auszubildenden auch einfach um den Ausbau des eigenen Qualifikationsprofils gehen.

Fortbildungen lassen sich nun auch noch mal untergliedern:

  • Erhaltungsfortbildung: verlorengegangene Fertigkeiten und Kenntnisse durch eine fehlende Berufsausübung ausgleichen (z. B. lange Arbeitslosigkeit)
  • Erweiterungsfortbildung: der Erwerb zusätzlicher, berufsspezifischer Fertigkeiten und Kenntnisse (z. B. Zehn-Finger-Tippen für eine schnellere Arbeit)
  • Anpassungsfortbildung: fehlende Fertigkeiten und Kenntnisse bei neuen beruflichen Aufgaben erlangen (z. B. EDV-Lehrgang für ein neues Programm)
  • Aufstiegsfortbildungen: künftige Führungskräfte erlangen neues Wissen zur Ausübung neuer beruflicher Herausforderungen (dazu gleich unter dem Punkt „Welche Fortbildungsmöglichkeiten gibt es?“ mehr)
[alert style=“warning“]Die Kostenübernahme ist je nach Sinn und Zweck der Fort- oder Weiterbildung. Meistens ist es so, dass Erstere durch das Unternehmen getragen wird, in dem der Mitarbeiter tätig ist. Ich habe aber in der Abendschule auch oft Teilnehmer, die ihre Fortbildung privat bezahlen, um unabhängig vom Unternehmen zu sein und ggf. keine „Knebelverträge“ unterschreiben zu müssen.[/alert]

Welche Fortbildungsmöglichkeiten gibt es?

Da die Liste der Weiterbildungsmöglichkeiten natürlich endlos ist, möchte ich in diesem Abschnitt vorrangig auf Aufstiegsfortbildungen eingehen. Zu den wichtigsten Fortbildungen bei der Industrie- und Handelskammer sowie Handwerkkammer zählen:

  • Industriemeister, Fachmeister
  • Geprüfter Betriebswirt/ geprüfte Betriebswirtin
  • Geprüfter technischer Betriebswirt/ geprüfte technische Betriebswirtin
  • Fachmann/ Fachfrau für kaufmännische Betriebsführung
  • Kaufmännischer Fachwirt/ Kaufmännische Fachwirtin
  • Handelsfachwirt/ Handelsfachwirtin
  • Betriebsinformatiker/ Betriebsinformatikerin
  • Wirtschaftsinformatiker/ Wirtschaftsinformatikerin
  • Energieberater/ Energieberaterin
  • Gebäudeenergieberater/ Gebäudeenergieberaterin
  • Fachwirt für Gebäudemanagement/ Fachwirtin für Gebäudemanagement
[alert style=“success“]

Übrigens: Auch als Ausbilder kannst du dich fortbilden. Ergänzendes rechtliches und pädagogisches Wissen erlangst du als

  • Geprüfter Aus- und Weiterbildungspädagoge/ Geprüfte Aus- und Weiterbildungspädagogin sowie
  • geprüfter Berufspädagoge/ geprüfte Berufspädagogin.
[/alert]

Je nachdem für welche Fort- oder Weiterbildung sich jemand entscheidet, stehen verschiedenste Lernorte und Fortbildungsmöglichkeiten zur Auswahl. Einige Beispiele:

  • Abendschulen
  • Abendgymnasien
  • Fachhochschulen
  • Hochschulen
  • Universitäten
  • Fachlehrgänge
  • Existenzgründerlehrgänge
  • Managementseminare
  • Ausbildung der Ausbilder
  • Meistervorbereitungslehrgänge
  • Kombifortbildungslehrgänge
  • Fernunterricht
  • Fachschulen
  • Technikerschulen
  • Berufsakademien
[alert style=“warning“]Puh, ganz schön viel … und das ist ja nur eine Auswahl. Um sich einen Überblick über die Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten in einem bestimmten Beruf zu informieren, verfügen die IHK und HWK über sogenannte Fort- und Weiterbildungsberater, die mit Rat und Tat zur Seite stehen.[/alert]

Welche finanziellen Förderungen für berufliche Bildungsmaßnahmen gibt es?

Der Traum einer Fort- oder Weiterbildung kann schnell platzen, wenn das erforderliche Kleingeld fehlt. Doch im Sinne der Chancengleichheit bieten der Bund, Länder und die Bundesagentur für Arbeit verschiedene Förderprogramme, von denen ich dir im Folgenden einige kurz vorstellen möchte.

Vorab Sicherheitshalber: Das ist keine Rechtsberatung, sondern gilt lediglich einem Überblick. Genaue Informationen zu den Regelungen findest du bei den jeweiligen Förderstellen.

Förderprogramm Hinweise
Übernahme von Kosten nach dem Arbeitsförderungsrecht im Sozialgesetzbuch (SGB III) Um beispielsweise eine drohende Arbeitslosigkeit nach der Ausbildung abzuwenden oder um an eine Beschäftigung in Vollzeit (wenn sonst nur Teilzeit) zu gelangen, kann die Agentur für Arbeit finanzielle Beihilfen bereitstellen. Hierzu zählen Kosten für

  • den Lehrgang
  • die Eignungsfeststellung
  • Fahrten
  • Kost- und Logis
  • die Kinderbetreuung sowie
  • Arbeitslosengeld
Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz Um in den Genuss einer Förderung des AFBG zu kommen, muss ein Auszubildender eine anerkannte Ausbildung nach der Handwerksordnung (HWO) oder dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) absolviert haben und auch die zu besuchende Fortbildungsmaßnahme auf einer entsprechenden Gesetzesgrundlage basieren. In diesem Fall können beispielsweise Kosten für

  • den Lebensunterhalt,
  • die Fortbildung sowie
  • die fachpraktische Arbeit bzw. ein Werkstück und
  • Prüfungsgebühren

übernommen werden.

Begabtenförderprogramm Berufliche Bildung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung Wenn der oder die Auszubildende beispielsweise

  • Preisträger eines beruflichen Leistungswettbewerbs ist oder
  • die Abschlussprüfung bzw. der Gesellenabschluss mit besser als „gut“ abgeschlossen wurde

kann die zuständige Stelle eine Förderung für eine berufliche Fortbildung bereitstellen. Hierzu zählen u. a. Kosten für den Kurs, Fahrten, Kost und Logis)

Übernahme von Kosten nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz Der Besuch von Schulen und Hochschulen wird teilweise durch das Amt für Ausbildungsförderung (der Ansprechpartner ist abhängig von Landkreis, Gemeinde oder Stadt) finanziell unterstützt.
Bildungsprämien Durch einen Prämiengutschein können alle zwei Kalenderjahre die Hälfte der Fort- und Weiterbildungskosten bis zu einem Maximum von 500 Euro durch die Länder gefördert werden.

Solltest du keines dieser Programme in Anspruch nehmen können, kannst du auch einen Privatkredit aufnehmen. Es gibt zahlreiche Banken und Kreditvergleiche wie beispielsweise smava, bei denen Fort- und Weiterbildungswillige Kleinkredite aufnehmen können. Um nicht in finanzielle Engpässe zu kommen, sollte vorher allerdings geprüft werden, ob die anfallenden Kreditraten auch kontinuierlich gezahlt werden können!

Alternativ beteiligen sich auch viele Arbeitgeber an den Kosten für Fortbildungen, doch meistens nicht einfach so. Vor dem Vertragsabschluss sollten beide Seiten den Vertrag auf Regelungen

  • zur Rückzahlung und einer
  • eventuellen Arbeitsverpflichtung

überprüfen. Vor allem wenn sich ein Mitarbeiter im eigenen Unternehmen nicht mehr wohlfühlt, sollten keine derartigen Verträge abgeschlossen werden.
[alert style=“info“]

Zusammenfassung der behandelten Fragen zum Thema „Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten nach der Ausbildung“ in diesem Artikel:

  • Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten nach der Ausbildung
  • Fort und Weiterbildung nach der Ausbildung
  • Was nach der Ausbildung?
  • Welche Fördermittel Weiterbildung?
  • Welche Fördermittel Fortbildung?
[/alert]

Fußnoten

  1. Quelle: Verordnung über die Berufsausbildung zum Süßwarentechnologen und zur Süßwarentechnologin (Süßwarentechnologenausbildungsverordnung – SüßwAusbV): https://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/s__wausbv/gesamt.pdf; letzter Abruf: 20. Dezember 2016
  2. Quelle: Handwerksberufe: Meisterpflicht für Gründer oder nicht?: https://www.fuer-gruender.de/wissen/existenzgruendung-planen/recht-und-steuern/genehmigungen/handwerker/; letzter Abruf: 20. Dezember 2016

Mit der Nutzung der Seite Katja-Schoenefeld.de stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden. Erfahre hier mehr über die Datenschutzbestimmungen meiner Webseite.

Schließen