Gerade sitze ich im Büro meines Mannes, beobachte die vorbeiziehenden Menschen, Straßenbahnen, Autos – und das grausige Wetter. Eigentlich sehne ich mich gerade nach meiner Couch – schön eingewickelt in eine Kuscheldecke. Doch wäre es wirklich sinnvoller, jetzt zu Hause zu sein? Genau dieser Frage möchte ich heute nachgehen und dabei meine persönlichen Pro und Kontra von Home Office und Büro gegenüberstellen.

Home Office – im Schlafanzug arbeiten?

Wer nicht im Home Office arbeitet, stellt es sich oftmals so schön vor: Motiviert geht es im Schlafanzug an den Rechner mit einem großen Pott Kaffee. Im Hintergrund tollen die lieben Kleinen rum, von draußen strahlt die Sonne herein und der Tag könnte nicht schöner sein. Ach doch: Gerade ruft die beste Freundin an und man quatscht noch ein paar Minuten (oder Stunden) über Gott und die Welt.

Die Wahrheit ist leider etwas unromantischer:

  • Es ist an manchen Tagen schwer an den Rechner zu gehen – vor allem wenn so viele Ablenkungen wie Kinder oder der Partner, Hobbys, Freunde, das Internet oder der Haushalt locken.
  • Kinder und Arbeit vertragen sich nicht immer. In den letzten Sommerferien war ich streckenweise kurz vor dem Nervenzusammenbruch, bis mein Sohn und ich einen Kompromiss fanden.
  • Das Telefon klingelt manchmal öfter, als einem lieb ist – vor allem von Leuten, die das Home Office als Spielerei bewerten und denken, man würde gerade sowieso nicht arbeiten.

Schwupps sind einige Stunden vorbei und der Tag war bislang unproduktiv.

Das Home Office erfordert Disziplin

Zugegeben, Disziplin ist immer wichtig – doch im Home Office noch viel wichtiger. Sonst wird die Arbeit in den eigenen vier Wänden zu einem Stressfaktor.

Bist du für das Home Office geeignet?

Wenn es dich lockt, deine Selbstständigkeit im Home Office zu starten oder öfter von Zuhause aus zu arbeiten, bitte ich dich kurz darüber nachzudenken, ob einige der folgenden Punkte auf dich zutreffen. Falls ja, solltest du deine Bemühungen noch einmal überdenken:

  • Der größte Vorteil am Home Office ist die freie Zeiteinteilung. Doch kannst du dich dazu motivieren, deine benötigten Arbeitsstunden ohne Ablenkung zu erfüllen?
  • Fällt es dir schwer, Berufliches und Privates zu trennen? Vor allem im Home Office wirst du lernen müssen, die Arbeit auch einfach mal Arbeit sein zu lassen – oder umgekehrt, weil manchmal auch private Angelegenheiten einfach liegen gelassen werden müssen. Daher lautet die Frage: Kannst du dir wirklich Grenzen setzen und diese beiden Lebensbereiche trennen?
  • Haben dir deine Arbeitgeber bislang gesagt, was du wann zu tun hast? Im Home Office musst du selbst Prioritäten setzen. Fühlst du dich mit dem Gedanken wohl?
  • Du willst zwar im Home Office arbeiten, aber regelmäßig Kunden/ Klienten empfangen. Ist deine Wohnumgebung darauf ausgelegt?
  • Deine Nachbarn sind total die Partiehengste und du brauchst Ruhe, um dich zu konzentrieren – Kannst du trotzdem produktiv arbeiten?

Doch Achtung, das Home Office hat auch Vorteile

Auch wenn meine Worte eingangs sehr negativ klangen, hat die Arbeit zu Hause auch wirklich Vorteile – die ich an manchen Tagen nicht missen möchte.

Ein großer Aspekt ist die gesparte Fahrtzeit, die viel sinnvoller investiert werden kann. Während ich beispielsweise noch meinen Sohn in die Schule bringe und mit meinem Mann ins Büro fahre, hat man im Home Office (höchstwahrscheinlich) schon die ersten To-dos abgehakt.

Vor allem bei Neugeborenen und kleinen Kindern ist es schön, flexibler in der Zeiteinteilung zu sein. Als ich noch viel von Zuhause aus arbeitete, war es schön, den Kleinen auch mal länger schlafen zu lassen und dementsprechend später in die Krippe zu bringen.

Auch die Ruhe ist nicht zu unterschätzen (von den Anrufen durch Freunde mal abgesehen Zwinkern). Aber niemand schneit ständig ins Büro und unterbricht die eigenen Gedanken. Du kannst Zeitmanagement-Methoden wie die Pomodoro-Technik nutzen, ohne die Arbeitseinheit dauernd zu unterbrechen. Kurz: Du kannst arbeiten, wie du möchtest. Dich dabei ausbreiten, kreativ sein und dich frei entfalten.

Mein persönliches Fazit zum Home Office

Wenn ich tagsüber keine Auswärtstermine habe, genieße ich es total im Home Office zu arbeiten und relativ frei in meiner Zeitgestaltung zu sein. Ich ertappe mich allerdings öfter dabei, mal eine Waschmaschine anzustellen oder andere private Aufgaben zu erledigen. Daher weiß ich, dass ich nicht der Typ bin, der immer (24/ 7) daheim arbeiten könnte. Deutlich angenehmer finde ich die Mischung aus fixen Terminen, Zeit im Büro und Home Office.

Büro anmieten – das kostet doch Geld 🙁

Zugegeben, der Geldaspekt ist wirklich ein nicht zu unterschätzender Faktor. Vor allem in Großstädten sind die Quadratmeterpreise gigantisch. Umso wichtiger ist es, dass du dir im Vorfeld Gedanken darüber machst, ob und welches Büro du wirklich willst. Für Dozenten und Coaches eignen sich Einzel- und Kombibüros.

Kombibüros als Solopreneur? Na klar! Für mich ergeben sich daraus drei große Vorteile:

  • Stell dir vor du bist krank. Bei einem Einzelbüro klingelt das Telefon deprimiert vor sich hin und niemand geht ran oder es gibt eine Umleitung auf dein Telefon, wo du eventuell hustend und schnaubend am anderen Ende sitzt. Auch die Tür bleibt verschlossen – eventuell gibt es noch ein Schild „wegen Krankheit geschlossen“. Wenn du dir die Gewerbeimmobilie mit anderen teilst, ist dort jemand, der eventuelle Laufkundschaft zumindest vertröstet und informiert und auch Anrufe entgegennimmt. Dabei muss dein Mit-Büro-Nutzer natürlich kein Coach oder Dozent sein – auch völlig andere Berufsrichtungen eignen sich hierfür.
  • Diese Symbiose kann man auch auf eventuelle gemeinsame Projekte erweitern – oder man profitiert einfach davon, dass jemand da ist. Menschen sind soziale Wesen und weniger für eine dauerhafte Isolation gemacht. Bei einer geeigneten Büroimmobilie hast du dein eigenes Büro und gemeinsam genutzte Räume (wie beispielsweise eine Küche).
  • Eine größere Gewerbeimmobilie kostet zwar mehr Geld – doch du teilst dir die Kosten mit einem Mitmieter. Das erfordert aber natürlich ein gewisses Maß an Vertrauen in den Anderen. Wenn du aber beispielsweise wen findest, mit dem du dich für eine größere Fläche entscheidest, könnt ihr auch Seminare in den eigenen vier Wänden durchführen, ohne dafür extra Seminarräume anmieten zu müssen.

Alternativ eignet sich natürlich auch ein Einzelbüro, in dem du alleine arbeitest. So kannst du ohne Störungen ganz konzentriert arbeiten. Vor allem bei Coachings sind Vertraulichkeit und Ruhe sehr wichtig.

Die Vor- und Nachteile eines eigenen Büros

Klingt gut, oder? Es geht noch weiter. Auch wenn es vielleicht seltsam klingt, aber ein Büro macht schon von der Adresse immer etwas mehr her als ein Home Office. Auch ist es für andere leichter verständlich zu sagen „Ich fahre jetzt ins Büro“ statt zu sagen „Ich sitze im Wohnzimmer in einer Ecke“ oder „Ich geh in mein Arbeitszimmer“. In deinem Büro werden Freunde auch deutlich seltener anrufen und dich mit privaten Themen ablenken.

Was mich allerdings an einem Büro immer abschreckt(e), ist die Fahrt dorthin. Während man eben im Home Office direkt in den Arbeitstag starten kann, steht beim Büro vorher der Weg ins Bad und zur Arbeit an. Doch genau das hat auch einen großen Vorteil: Man geht eben nicht im Schlabberlook an den Rechner, sondern muss ich halbwegs vernünftig anziehen und kommt dadurch automatisch in die Gänge.

Dadurch fällt im Umkehrschluss auch die Trennung von Arbeit und Beruf deutlich leichter. Wie sehr man diese Grenze zieht, ist natürlich jedem Selbst überlassen. Während ein Kollege beispielsweise plant, zu Hause nicht mehr zu arbeiten, kombiniere ich alle Arbeitsplätze.

Die ideale Gewerbeimmobilie finden – meine Tipps

Nachdem du dich entschieden hast, ob und welche Art von Büro es sein soll, geht es an die Suche nach einer passenden Bürofläche. Hierbei kannst du dich entweder in deiner Umgebung umsehen und eine wohnnahe Gewerbeimmobilie suchen oder du schaust dich im Internet um. Auf Seiten wie Gewerbeimmobilien.jll.de findest du zahlreiche Büroräume – mit Bildern, Preisen und näheren Informationen zu den Mietmodalitäten. Vielleicht haben aber auch deine Freunde und Bekannte einen heißen Tipp.

Bei der Wahl deines Büros solltest du allerdings folgende Aspekte vorher klären:

  • Standort
    • Muss das Büro im Stadtkern sein oder kann es auch auswärts liegen?
    • Wie gut ist das Büro erreichbar? Müssen sich Kunden oder Geschäftspartner dort hinfinden oder ist das Büro nur für dich?
    • Falls das ein mögliches Problem ist: Gibt es unmittelbare Konkurrenz?
    • Welche anderen Firmen gibt es in der Nähe? Sind sie seriös?
    • Hast du einen Parkplatz direkt davor oder musst du eventuell jeden Tag Zeit für die Suche verschwenden?
    • Kommst du auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin?
    • Wie sicher ist die Umgebung? Musst du Angst haben, Montagmorgen in einem verwüsteten Büro zu stehen?
  • Immobilie und Vertrag
    • Wie ist der Preis – auch im Vergleich zu anderen Möglichkeiten?
    • Wie lange steht die Bürofläche schon leer?
    • Wie lange hast du Kündigungsfrist? Wie lange der Vermieter?
    • Ist die Größe deinen Anforderungen angemessen?
    • Kannst du bei Bedarf zusätzliche Fläche anmieten?
    • Sind Lärmquellen in der Nähe?
  • Kundennähe
    • Falls benötigt: gibt es dort Laufkundschaft?
    • Wie ist die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel?
    • Gibt es Parkplätze für Kunden?
  • Wohnortnähe
    • Wie weit ist dein täglicher Arbeitsweg?
    • Gibt es wichtige „Stationen“ wie beispielsweise die Schule deiner Kinder oder Supermärkte auf dem Weg dorthin?
  • die Zukunft deiner Immobilie
    • Sind auf dem Gelände oder in der Nähe künftig Baumaßnahmen geplant, die deinen Plänen einen Strich durch die Rechnung machen können?
    • Falls der Mietvertrag befristet ist: Was ist danach? Gibt es die Möglichkeit der Verlängerung?

Genug von mir – nun interessiert mich, was du bevorzugst? Arbeitest du lieber in einem Büro oder Zuhause? Hast du noch Tipps für Leser, die ein Büro suchen? Ich freue mich auf deinen Kommentar! 🙂

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