Was ist eigentlich… Lernen? Welche Lernarten gibt es?

Hallöchen 😃

Erinnerst du dich an mein Vorhaben, einen kompletten Online-Kurs über die Ausbildung der Ausbilder zu kreieren? Wie du vielleicht schon in dem Artikel über meine Jahresziele für 2017 gelesen hast, ist diese Idee einer Ausbilder- und Dozenten-Bibliothek gewichen, an der ich zur Zeit auf Hochtouren arbeite. Ein kompletter Online-Kurs für die Ausbildung der Ausbilder ist zum jetzigen Zeitpunkt leider ein unrealistisches Ziel – vor allem, weil mein Hang zum Perfektionismus die ganze Zeit schreit „Oh mein Gott, das geht noch detaillierter!“. Bei der Zusammenstellung der Artikel fiel mir allerdings auf, dass meine Artikel rund um das Thema“Lernen“ an einer Hand abzuzählen sind – was ich hiermit dringend ändern möchte! 🙂

*Trommelwirbel* Daher läute ich hiermit in den nächsten Wochen eine kleine Artikelserie zum Thema Lernen zu Lernen ein. 😃

Einige Vorworte zum Thema Lernen

Bevor ich näher in das Thema einsteige möchte ich eins betonen: Als Ausbilder musst du dir bewusst machen, dass deine Auszubildenden ziemlich wahrscheinlich noch nie richtig gelernt haben zu lernen.

Puh, ich weiß – was für eine These. Doch das Lernen, wie es in den meisten Schule vor sich geht, entbehrt leider manchmal jeglicher lernpsychologischer Grundlage und führt eher dazu, dass Jugendliche im Berufsalltag große Probleme haben. Natürlich nicht bezogen auf den Lernstoff, der ihnen eingehämmert wurde, denn in den 8 bis 13 Jahren Schulzeit wird immer mehr angehäuftes Wissen in Kinder und Jugendlichen gestopft. Aber bezogen auf die Schlüsselkompetenzen, die im Beruf dringend notwendig sind – leider jedoch oftmals fehlen.

Daraus können für die Arbeit als Ausbilder folgende Probleme resultieren:

1. Die Jugendlichen sind dressiert darauf Dinge auswendig zu lernen – doch Eigeninitiative sowie abstraktes, analytisches oder logisches Denkvermögen werden oft nicht ausreichend geschult.

[alert style=“success“]Ein Beispiel aus einer meiner ersten Stunden als Lehrerin in einer Klasse im Teenager-Alter: Wir haben eine tolle Unterrichtsstunde mit spannenden Diskussionen und Erkenntnissen hinter uns. An der Tafel habe ich die wichtigsten Aspekte in einer MindMap zusammengetragen und bin davon ausgegangen, dass die Kids sich ebenfalls selbstständig Notizen gemacht haben oder zumindest die MindMap übernommen haben. Nach Unterrichtsende schweift mein Blick zufällig über die Hefter der ersten Reihe. Leere Blätter. Ich frage irritiert, warum denn keine Notizen da sind. Die erstaunte Reaktion der jungen Leute: Aber Sie haben doch nicht gesagt, dass wir etwas aufschreiben sollen! Sonst wird uns das immer gesagt. Ups …[/alert]

Genau solche Augenblicke wirst du höchstwahrscheinlich mit deinen Auszubildenden auch erleben, denn sie haben bislang wahrscheinlich einfach gelernt zu machen, was ihnen gesagt wird. Genau so und nicht anders.

Doch weiter mit den Konsequenzen für dich als Ausbilder:

  • resultiert daraus, dass ihre Herangehensweise manchmal nicht so kreativ ist, wie sie sein könnte.
  • kann es zu Problemen beim Wissenstransfer bei leicht veränderten Aufgabenstellungen kommen.
  • werden sie ihre Handlungen eventuell nicht selbstständig planen und kontrollieren
  • Aufgaben, die für dich völlig normal sind, können für einen jungen Menschen eine Herausforderung (ähnlich einer Mondlandung) sein.
[alert style=“success“]Noch ein kleines Beispiel – diesmal von mir *grins*. Eine meiner ersten Aufgaben, die ich als Auszubildende zur Bürokauffrau vor über zehn Jahren lernen durfte war, das Postausgangsbuch zu führen und den Postausgang vorzubereiten. Gott war ich stolz. Meine Ausbilderin hatte mir auch wirklich viel erklärt über das Postausgangsbuch und dessen Spalten, die Arten von Umschlägen, Portokosten, Briefmarken etc. Ein Thema ließ sie allerdings aus – wahrscheinlich weil es für sie einfach völlig selbstverständlich war: Das Beschriften der Briefumschläge. Am Morgen nach meinem ersten Postausgangsbuch-führ-versuch klingelte die Kollegin, bei der die Briefe abgeholt werden sollten. Die Briefe konnten nicht mitgenommen werden, da die Briefmarke an der falschen Stelle klebte und ich den dort hingeschrieben hatte, wo eigentlich der Absender hinkommt.[/alert]

Ich weiß, ich weiß – was für eine Story. Aber ich wusste es einfach nicht besser. Wir hatten zwar den Erlkönig auswendig gelernt, Bilder und Gedichte interpretiert und ich konnte mal Integralrechnung … Aber hallo?! Einen Briefumschlag beschriften?!

[alert style=“alert“]Solltest du noch nicht Ausbilder sein, mach dich auf jeden Fall mit dem Gedanken vertraut, dass es keine dummen Fragen gibt, denn die jungen Menschen können es einfach oftmals nicht besser wissen![/alert]

Lernen – was ist es denn nun eigentlich?

Nach dieser doch etwas längeren Einleitung folgt nun endlich eine Definition für den Begriff Lernen.

[alert style=“warning“]Lernen ist die langfristige Veränderung von Einstellungen sowie die Aneignung von Verhaltensweisen, die durch Erfahrungen, Üben und Wiederholen geprägt werden.1[/alert]

Dies schließt also alles ein, was nicht mit Ermüdung, Alter bzw. Reifung, angeborenen Reaktionen sowie Verhaltensänderungen durch Drogenkonsum oder Krankheiten zu tun hat.

[alert style=“warning“]Oder anders gesagt: Menschen lernen immer – auch wenn sie sich dessen vielleicht gar nicht bewusst sind.[/alert]

Die Lernarten – denn Lernen ist nicht gleich Lernen!

Je nach Literatur werden viele verschiedene Lernarten definiert. Die wichtigsten möchte ich dir im Folgenden gegenüberstellen:

Formelles Lernen Informelles Lernen
Geplantes Lernen: Diese Form des Lernens findet in Bildungseinrichtungen oder im Ausbildungsbetrieb statt.

 

Beispiel: Eine Unterweisung am Ausbildungsplatz, bei der du gezielt Ausbildungsinhalte vermittelst.

Zufälliges Lernen: Diese Form des Lernens findet ungeplant im Alltag statt – daher natürlich auch in Bildungseinrichtungen oder im Ausbildungsbetrieb.

 

Beispiel: Der Auszubildende beobachtet/ hört/ sieht zufällig, wie du einem anderen Auszubildenden Ausbildungsinhalte vermittelst und lernt dadurch ebenfalls.

Bewusstes Lernen: Hierbei ist sich der Auszubildende im Klaren darüber, dass er gerade lernt und steuert diesen Prozess im besten Fall auch mit.

 

Beispiel: Der Auszubildende erhält einen Lern- und Arbeitsauftrag und absolviert diese Aufgabe.

Unbewusstes Lernen: Bei dieser Form ist sich der Auszubildende des Lernens weniger bewusst und es erfolgt eher nachahmend/ funktional

 

Beispiel: Der Auszubildende sitzt mit dir und anderen Kollegen in geselliger Runde beim Frühstück. Du berichtest über bestimmte Weltanschauungen und dein Auszubildender übernimmt diese Ansichten.

Daraus resultieren verschiedene Varianten des Lernens:

Variante Variante
Einsichtiges Lernen: Der Auszubildende erfasst Themen sowie deren Zusammenhänge und Abläufe vollständig.

 

Beispiel: Der Auszubildende kann Lern- und Arbeitsaufträge nicht nur so abarbeiten, wie du sie zuvor gezeigt hast, sondern sein Wissen auch auf neue Situationen übertragen, weiterentwickeln und so Probleme selbstständig Lösen.
(siehe auch Lernzielniveaus)

Primitives Lernen: Hierunter versteht man das bloße Reagieren auf Signale und Reize der Umwelt.

Beispiel: Der Auszubildende greift zum Telefon wenn es klingelt.

 

Mein Lieblingsbeispiel aus dem Alltag: Bei Grün kannst du an Ampel gehen, bei Rot bleibst du stehen.

 

Hinweis: Auch wenn primitiv etwas böse klingt, so solltest du dir der Möglichkeiten und Wirkung klassischer Konditionierung bewusst sein.

Theoretisches Lernen: Hierbei stehen theoretische Kenntnisse und gesetzmäßige Aussagen im Vordergrund.

 

Beispiel: Definitionen lernen

Praktisches Lernen: Hierbei stehen Fertigkeiten und praktische Erfahrungen im Vordergrund.

 

Beispiel: Postausgangsbuch führen

Weitere Varianten sind:

  • aktives Lernen vs. passives Lernen
  • direktes Lernen vs. indirektes Lernen
  • produktives Lernen vs. reproduktives Lernen
  • individuelles Lernen vs. soziales Lernen
[alert style=“danger“]Gerade im Hinblick auf das informelle Lernen solltest du dir daher immer deiner Vorbildwirkung als Ausbilder bewusst sein.[/alert]

Vielleicht fragst du dich, wie Lernen denn nun richtig funktioniert – die Antwort darauf werde ich dir in den nächsten Artikeln geben. 😃

Liebe Grüße,
Katja

Keine Lust so viel zu lesen? Dann schau dir diesen Artikel als Video an:

[alert style=“info“]

Zusammenfassung der behandelten Fragen zum Thema „Lernen und Lernarten“ in diesem Artikel:

  • Was ist Lernen?
  • Welche Lernarten gibt es?
  • Was ist formelles Lernen?
  • Was ist informelles Lernen?
  • Was ist geplantes Lernen?
  • Was ist zufälliges Lernen?
  • Was ist bewusstes Lernen?
  • Was ist unbewusstes Lernen?
  • Was ist einsichtiges Lernen?
  • Was ist primitives Lernen?
[/alert]

Fußnoten

  1. Quelle: Werner Stangl: http://www.stangl.eu/psychologie/definition/Lernen.shtml; abgerufen am 6.2.2017

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