Medienauswahl und –Einsatz – das solltest du beachten

In Zeiten der Digitalisierung scheint es ganz normal zu sein, so viele verschiedene Medien wie möglich zu nutzen. Natürlich – der Medieneinsatz in einem modernen Unterricht/ einer modernen Ausbildung ist wichtig, doch falsch eingesetzt erzielt er genau die entgegengesetzte Wirkung. Daher möchte ich dir in diesem Ratgeber Grundwissen rund um Medien und fünf wichtige Tipps für den Medieneinsatz in der Ausbildung geben.

Was sind Ausbildungsmedien?

Um einen größtmöglichen Lernerfolg zu erzielen ist es unerlässlich, theoretische Inhalte durch den Einsatz von Medien zu veranschaulichen b. z. w. visualisieren. Doch darüber hinaus gibt es auch weitere Ziele, die durch einen geeigneten Einsatz von Ausbildungsmedien erreicht werden können:

  • Du kannst deine Auszubildenden aktivieren und ihre Selbstständigkeit fördern.
  • Medien sorgen für Abwechslung im Unterricht und du lockerst den Unterricht während Vermittlung des Lernstoffes auf.
  • Damit kannst du aber auch die Wirkung deiner Aussagen verstärken.
  • Medien sind ideal, um Inhalte objektiv und sachlich zu vermitteln.

Und zu guter Letzt: Du vereinfachst das Verstehen von komplizierten Inhalten und gestaltest deinen Unterricht optimal.

Welche Arten von Ausbildungsmedien gibt es?

Unterschieden werden Medien nach Ihren Funktionen oder Ihrer Wahrnehmungsart:

Funktion

Beispiele für Medien

Arbeitsmittel
  • Aufgabenblätter
  • Formulare
Lehrmittel
  • Computer/-Programme
  • Videos
Lernmittel
  • Fachbücher
  • Leittexte
Unterrichtsmittel
  • Flipcharts
  • Overhead-Projektoren

 

Art des Mediums

Auditiv

Visuell Audio-visuell

Taktil

Sprechen welchen Sinneskanal an

Hören

Sehen Hören und Sehen

Anfassen, Berühren, Anwenden

Beispiele
  • Hörspiele
  • Musik
  • Podcasts
  • Radio
  • Sprachlabor
  • Arbeitsblätter
  • Bücher
  • Fotografien
  • Mails
  • Pinnwände
  • Plakate
  • Projizierte Abbildungen
  • Tafeln
  • Whiteboards
  • Zeitschriften
  • Zeitungen
  • Computer
  • Fernseher
  • Filme
  • Videos
  • Experimente
  • Maschinen
  • Modelle
  • Werkzeuge

11 Kriterien, die du bei der Auswahl von Medien beachten solltest

Leider gibt es aufgrund der großen Masse an Medien, kein Patentrezept zur Auswahl der geeigneten Medien, daher solltest du vorab folgende Fragen klären:

  • Was ist das Ausbildungsziel?
  • Welches Medium unterstützt den Lernprozess optimal?
  • Inwieweit fördert es das selbstgesteuerte Lernen b. z. w. die Handlungsfähigkeit des Auszubildenden?
  • Welchen Lernort wirst du nutzen?
  • Welche Ausgangsbedingungen hast du in den Unterrichtsräumlichkeiten?
  • Über welche Erfahrungen mit dem Medium verfügst du? Und deine Auszubildenden?
  • Auf welche Lehrmethode oder Lernmethode willst du zurückgreifen?
  • Wie viele Auszubildenden/ Lernenden werden teilnehmen?
  • Wie viel Zeit steht zur Verfügung?
  • Inwieweit entlastet dich das Medium oder nimmt dich als Ausbilder in Anspruch?

Mir ist allerding klar, dass vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen, sowie Dozenten folgende Frage ebenfalls wichtig ist: „Wie sind die betrieblichen Rahmenbedingungen im Hinblick auf die Kosten für mögliche Ausgaben und Anschaffungen?“ Daher empfehle ich, dass du dir rechtzeitig vor Ausbildungs- oder Seminarbeginn darüber Gedanken machst, welche Medien du einsetzen möchtest und wo du sie erwerben kannst. Neben den großen Online-Plattformen wie Amazon und Ebay gibt es auch eine Reihe an Online-Shops wie Kaiser+Kraft, bei denen du Präsentations- und Moderationsmittel günstig erwerben kannst. Vor allem bei oft genutzten Medien wie Flipcharts, Moderationskoffern und Zubehör solltest du großen Wert auf die Verarbeitungsqualität, zusätzliche Funktionen und den gebotenen Komfort legen.

5 Tipps für einen erfolgreichen Medieneinsatz

Wie angekündigt folgen nun meine 5 + 1 Tipps für einen sinnvollen Einsatz von Medien.

  1. Weniger ist mehr – auch bei Medien. Nutze daher nicht zu viele unterschiedliche Medien, um deine Lernenden nicht zu überfordern. Eine Empfehlung für DIE genaue Anzahl an Medien kann ich an dieser Stelle nicht geben, denn das stark ist von dem Thema und der Gruppe abhängig. Daher solltest du genau die Reaktionen deiner Auszubildenden beobachten und mit verschiedenen Medien experimentieren, um herauszufinden, womit du ein Thema besonders anschaulich und effektiv vermitteln kannst.
  2. Medien sollen unterstützen, nicht von der Kernaussage ablenken. Präsentationsfolien sind super – aber nur, wenn sie didaktisch sinnvoll aufgebaut sind. Blingbling, Blitze und springende Elemente sind sicher ein Blickfang – lenken allerdings auch von den Lerninhalten oder deinen Worten ab.
  3. Setze deine Präsentationsmittel sachgemäß und sinnvoll ein. Mache dir also ihre Vorteile zu Nutze, sie sind allerdings kein Alleilmittel. Ich erlebe im Alltag immer wieder Ausbilder und Dozenten, die ihren Lernenden Stoff in Form von Videos, Leittexten oder anderen Medien vorsetzen und das war’s. Versteh mich nicht falsch: Bücher sind super, Videos auch – aber das darf nicht alles sein. Sprich über die Texte oder lass dir die wichtigsten Kernaussagen zusammenfassen. Gern auch in Kombinationen mit einem kurzen Vortrag, sodass deine Lernenden gleichzeitig ihre Selbstpräsentation üben können.

    Aber eben nicht zu lang. Ein zweistündiges Video über Lerninhalte ist nicht mit einem seichten Film vergleichbar. Bei längeren Filmen (die ich ohnehin sehr sparsam einsetze), unterteile ich die Filmsequenzen meistens und spreche sie durch und lasse wichtige Notizen erstellen. Meiner Erfahrung nach sollte beispielsweise ein Video oder Podcast maximal 15 Minuten laufen. Darüber hinaus lässt die Konzentration sehr schnell nach und wichtige Kernaussagen gehen verloren.

  4. Achte darauf, dass deine Aussagen mit den Inhalten deiner Medien übereinstimmen. Wenn du beispielsweise Folien, Texte oder Videos nutzt, sollten sich deine Kernaussagen dort wiederfinden – und nicht neue oder widersprüchliche Informationen beinhalten. Das erfordert natürlich, dass du dich im Vorfeld genau mit deinen Ausbildungsmedien auseinandergesetzt hast und dich auch auf Fragen deiner Auszubildenden vorbereitest. Meistens erstelle ich mir sogar im Vorfeld schon eine Liste möglicher Fragen und bereite die Antworten hierzu vor. Falls die Fragen nicht gestellt werden, spreche ich wichtige Fakten dazu selbst an.
  5. Die Zeit zur Verarbeitung und Bearbeitung deiner ausgewählten Ausbildungsmedien sollte angemessen sein. Lasse also beispielsweise Folien lang genug eingeblendet, damit alle Zeilen gelesen werden können oder genug Zeit um Texte zu lesen. ABER lasse zur Bearbeitung auch nicht zu lang Zeit, da deine Auszubildenden sonst unterfordert sind. Falls du unsicher bist, welche Zeit angemessen ist, kannst du auch hin und wieder nachfragen, ob alle fertig sind oder noch ein paar Minuten benötigt werden.

Unabhängig davon welches Medium du einsetzt, achte auf frische Luft in deinen Räumlichkeiten. Der Sauerstoffgehalt in geschlossen Räumen lässt je nach Personenzahl schnell nach, woraus Müdigkeit und eine mangelnde Konzentrationsfähigkeit resultieren. Lüfte daher regelmäßig um deinen Auszubildenden frischen Wind um die Nase wehen zu lassen.

Mein persönlicher Appell: Sprich alle Sinne an

Visuell: In der Erwachsenenbildung setze ich Medien hauptsächlich unterstützend ein. Je nach Thema nutze ich Präsentationen als Gedankenstütze für meine Teilnehmer und mich. Auf meinen Folien stehen allerdings lediglich kurze Notizen, manchmal auch nur Stichpunkte – sehr selten Sätze, da meine Teilnehmer sich eigentlich selbst darüber Gedanken machen sollen, wie sie sich den Stoff am besten notieren.

Verbal-abstrakt: Die Texte der Folien lese ich allerdings nicht einfach nur vor, sondern erarbeite den Inhalt im Vorfeld mithilfe von Diskussionen mit den Teilnehmern zusammen. Dadurch versuche ich alle Sinne anzusprechen um eine möglichst hohe Aufnahmefähigkeit zu erreichen.

Auditiv: Nur selten halte ich trockene Vorträge zu einem Thema – lieber nutze ich den Erfahrungsaustausch von Teilnehmern und knüpfe daran mit neuem Wissen an. Vor allem an langen Tagen ist es für meine Teilnehmer viel angenehmer, möglichst oft auch andere Stimmen zu hören.

Haptisch: Bei mir gibt es keine fertigen Skripte. Ich weiß selbst noch aus dem Studium, was mit den ausgeteilten Arbeitsblättern geschah – oder eben nicht. Daher müssen sich meine Teilnehmer alle ihre Unterrichtsnotizen selbst erstellen.

Kurz: ich setze auf einen Methodenmix und versuche dabei

  • alle Sinne anzusprechen, wodurch ich in Kombination
  • mit einer ständigen Wiederholung des Stoffes und
  • dem Herstellen von Praxisbezügen

dem vorschnellen Vergessen des Erlernten vorbeuge und sich der Stoff nachhaltig einprägt.

Dabei stütze ich mich auf Ergebnisse von Forschern, die inzwischen herausgefunden haben, dass die Merkfähigkeit beim Hören, Sehen und Lesen oftmals sehr gering ist. Daher ist es umso wichtiger, den Unterricht so zu gestalten, dass die Teilnehmer optimal gefordert werden.


Würdest du noch Tipps und Hinweise ergänzen?

Merkfähigkeit nach Sinnen und Tätigkeiten

  • Selbst erarbeiten 90%
  • Dokumentieren 70%
  • Hören und Sehen 50%
  • Lesen 30%
  • Sehen 20%
  • Hören 10%

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