5 Tipps, mit denen du deinen Auszubildenden das Rechnungswesen lernen erleichterst

Hallöli 🙂

Ich bin der festen Überzeugung, dass Rechnungswesen (ähnlich wie Sushi) zu den Dingen gehört, die man entweder einfach total liebt und gerne macht oder hasst. Abgrundtief hasst. Zum Leidwesen meiner Rechnungswesenlehrerin und Ausbilderin gehörte ich zu letzterer Gruppe während meiner Berufsausbildung zur Bürokauffrau.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie mir die beiden mühevoll erklären wollten, was T-Konten sind, wie Buchungssätze funktionieren und wofür Soll und Haben stehen. PanikGrausig. Absolut grausig.

Doch um meinen Auszubildenden eine gute Ausbildung zu bieten (zu der natürlich auch Rechnungswesen gehört) musste ich mir überlegen, wie ich ihnen Rechnungswesen schmackhaft mache – und mich selbst damit anfreunde.

Rechnungswesen lernen #1: Ergründe, woher deine Antipathie kommt

Als ich mir den Ausbildungsrahmenplan für den Beruf Bürokauffrau (heute Kaufmann/-frau für Büromanagement)ansah, wurde mir fast schlecht. Ich konnte mich zwar noch dunkel an meine eigene Ausbildungszeit erinnern, aber da die Buchhaltung und Lohnrechnung damals zum Steuerberater ausgelagert waren, hatte ich nur ein Mindestmaß an Rechnungswesen gelernt – und war daran ja schon gescheitert.

Aber: Meine Schützlinge können nichts dafür, dass ich ein Tiefflieger im Bereich Zahlen bin und daher musste ich mich einfach mit dem Thema näher beschäftigen. Schritt 1 ist simpel, aber unheimlich wichtig: Überlege, woher meine Aversion stammt.

Solange ich zurückdenken kann, habe ich Mathe gehasst. Gut, in der Grundschule war es noch erträglich. Aber mit Grauen denke ich an Themen wie Geometrie, Statistik, Stochastik und Integralrechnung. Der Ehrlichkeit halber muss ich allerdings zugeben, dass meine damalige Mathelehrerin wirklich bemüht war. Aber leider gehöre ich zu den Menschen, die Informationen entweder aufsaugen (wie ein Staubsauger in der Wüste :-P) oder sich für Themen gar nicht interessieren. Mathe gehörte für mich definitiv in die zweite Kategorie. Während ich beispielsweise

  • die Stammbäume europäischer Adelshäuser und andere Geschichtszahlen spielerisch lernte und mit Freude auswendig runterbeten konnte,
  • es liebte Gedichte zu interpretieren,
  • Sozialkunde liebste,
  • gerne malte und
  • Instrumente spielte,

schaffte ich es nicht mal, den Satz des Pythagoras zu behalten. Ähnlich schwer fielen mir andere naturwissenschaftliche Fächer. Physik? Chemie? Biologie in den höheren Klassen? *örgs* Motzen

Hierdurch entstanden sehr schnell Lücken. Große Lücken. Sehr große Lücken … die mit der Zeit nicht mehr aufholbar waren. Mit Müh und Not schleppte ich mich durch das Mathe-Abi und musste sogar in die mündliche Nachprüfung, bei der sich mich dann Gott sei Dank auf eine 3 hangelte, wodurch auch dieser Teil als Bestanden galt.

Was ich aus diesem Gedankenspiel lernte? Zahlen sind gar nicht doof, sondern meine Stärken liegen eher im geisteswissenschaftlichen Bereich. Das kombiniert mit dem mangelnden Interesse an naturwissenschaftlichen Fächern führte eben dazu, dass ich es kaum schaffte den Wert meines Einkaufswagens (beim Wochenendeinkauf :-P) zu berechnen.

Woher kommt deine Abneigung? Wenn du weißt, warum etwas so ist wie es ist, findest du leichter einen Weg damit umzugehen.

Rechnungswesen lernen #2: Schließe die Lücken und hole dir Unterstützung

Hast du einen ähnlichen Leidensweg hinter dir und dadurch gerade mal ein Basiswissen in Mathe? Dann folgt nun Schritt 2: schließe die Lücken. Es tut mir leid, dass ich an dieser Stelle nichts anderes sagen kann, aber als Ausbilder musst du einfach fachlich geeignet sein. -> Und ohne grundlegende Kenntnisse in Rechnungswesen bist du es einfach nicht genug.

Die gute Nachricht: Inzwischen gibt es eine Vielzahl an tollen Webseiten im Internet, die sich mit Rechnungswesen beschäftigen. Hier findet sich auch meistens ein Bereich für Basiswissen, auf dem die komplexeren Aufgaben aufbauen. Themen wie Dreisatz, Prozentrechnung, Zinseszinsrechnung und sogar Binomische Formeln werden dort oftmals anschaulich erklärt. Keine Sorge, du musst kein Zahlenjongleur werden, der Nachts von der PQ Formel träumt – aber du solltest dir zunächst Basiswissen im Bereich Kaufmännisches Rechnen aneignen.

Wenn du die Grundlagen beherrschst, steigere deinen Schwierigkeitsgrad und beschäftige dich mit Themen wie

Thema Beispiele
Finanzbuchhaltung
  • Abschreibungen
  • Inventur/ Inventar
  • Bilanz
  • Kontenarten
  • Soll und Haben
  • Kontenrahmen
  • Forderungen und Verbindlichkeiten
  • Buchungen
  • Gewinn- und Verlustrechnung
  • Lohn und Gehalt
  • Steuern
  • Beschaffung und Absatz
Kosten- und Leistungsrechnung
  • Kosten
  • Aufwendungen
  • Erträge
  • Leistungen
  • Kostenartenrechnung
  • Kostenstellenrechnung
  • Kostenträgerrechnung
Statistik/ Analyse
  • Arithmetischer Mittelwert
  • Median
  • Modus
  • Quantile
  • Darstellung von Daten
  • Wahrscheinlichkeitsrechnung
  • Hypothesen
Planungswesen / Planungsrechnung
  • Investition und Finanzierung
  • Strategie

Hinweis: Die genauen Themen aus der Ausbildungsordnung für den Beruf Kaufmann/-frau für Büromanagement findest du hier.

Je öfter und intensiver du dich mit diesen Themen beschäftigst, umso leichter wird es dir fallen. Und mit der Zeit wirst du dadurch Rechnungswesen wahrscheinlich auch lieber mögen.

Alternative: Suche einen passenden Ausbildungsbeauftragten

Zugegeben, es gibt einen leichteren Weg: Du delegierst die Vermittlung dieser Inhalte an einen passenden Ausbildungsbeauftragten, der sich mit dem Thema besser auskennt.

Der Vorteil daran ist, dass du dich dann nicht weiter dem Thema beschäftigen musst.

Der Nachteil: Du verlierst im schlimmsten Fall das Vertrauen deines Auszubildenden.

Das klingt hart? Was denkst du, wie es auf deinen Auszubildenden wirkt, wenn er sich mit einer Frage aus dem Bereich Rechnungswesen an dich wendet und du ihn nervös an jemanden anders verweist, weil du nicht antworten kannst. Im Normalfall bist du das Vorbild deines Auszubildenden und er orientiert sich an deinen Werten und Verhaltensweisen während der Ausbildung.

Die logische Konsequenz daraus:  Wenn du dich mit dem Thema nicht auskennst, wird er/ sie sich zwangsläufig fragen, warum das Thema wichtig ist und ob er/ sie es überhaupt lernen muss.

Darüber hinaus wird das Gedankenkarrussel auch Fragen wie

  • Wie soll er mir etwas beibringen?
  • Was weiß der Ausbilder darüber hinaus nicht?
  • Was werde ich nicht lernen?
  • Werde ich meine Prüfung überhaupt schaffen?
  • Wie soll ich nach der Ausbildung arbeiten?

ausspucken – wodurch du als Ausbilder ein wirkliches Problem hast.

Dein Auszubildender muss dir einfach vertrauen und an dich glauben, um von dir lernen zu können. Sobald diese Grundvoraussetzungen nicht mehr passen, kann es zu ernsthaften Problemen in der Ausbildung kommen.

Rechnungswesen lernen #3: Behalte deine negative Meinung für dich

Hat dir jemand schonmal von einer anderen Person oder einer Sache erzählt und war dabei äußerst negativ? Ein Beispiel aus meinem Dozenten-Alltag:

Ich habe vor vier Jahren eine Gruppe von einem anderen Dozenten übernommen, weil dieser mit der Gruppe nicht zurechtkam. Das passiert manchmal und die Gründe hierfür können vielfältig sein. Bei dem Übergabegespräch

  • betonte der andere Dozent mehrfach, wie grausig die Gruppe sei,
  • berichtete über besonders schlimme Teilnehmer und
  • erzählte mir, wie sie ihn provoziert und geärgert haben.

Meine Reaktion: Ich hatte Angst. Angst, dass ich dieselben Erfahrungen machen würde und ebenso auf Ablehnung stoßen würde. Dadurch veränderte sich zwangsläufig auch meine Haltung zu den Teilnehmern. Ich schlief in der Nacht vor dem Seminar sehr schlecht und malte mir alle furchtbaren Situationen aus. Ab der Minute, in der ich den Seminarraum betrat, war ich auf der Hut, mißtrauisch und angespannt – ganz anders als sonst. Normalerweise bin ich neugierig auf meine Gruppe und nehme jeden Menschen wie er ist. Aber da ich einige der Teilnehmer schon von Hörensagen kannte, fiel es mir wahnsinnig schwer, mir diese Offenheit zu bewahren.

Die Folge daraus: Ich überstand die restliche Seminarzeit – aber schön war anders. Die Gruppe machte mir gar keine Probleme – und trotzdem konnte ich mich nicht so entspannen wie sonst, sondern wartete fortwährend auf Anfeindungen und Probleme.

Ähnlich ergeht es deinen Auszubildenden, wenn du ihnen erzählst, wie grausig Rechnungswesen oder Zahlen im Allgemeinen sind. Sie werden höchstwahrscheinlich dein Bild übernehmen, wodurch es ihnen schwer fällt, neutral mit dem Thema umzugehen.

Das ganze nennt man affektives Priming und funktioniert sowohl negativ als auch positiv:

  • Sprichst du positiv über Rechnungswesen, kennst dich mit dem Thema aus und redest gerne darüber, erhöht sich die Chance, dass dein Auszubildender Rechnungswesen mag.
  • Sprichst du negativ über Rechnungswesen, erhöht sich das Risiko, dass dein Auszubildender Rechnungswesen eben nicht mag und deine Einstellung übernimmt.

Rechnungswesen lernen #4: Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Nicht jedem jungen Menschen ist klar, dass je nach Ressourcenverteilung des Unternehmens, mehr oder weniger Zahlengeschick für kaufmännische Berufe erforderlich ist. Um das Risiko vorab schon zu minimieren, dass du einen Auszubildenden mit einer Mathe-Schwäche einstellst, solltest du dir sowohl bei der

  • Erstellung des Anforderungsprofils,
  • Sichtung der Bewerbungsunterlagen,
  • (eventuellen) Erstellung und Durchführung von Einstellungstests,
  • Durchführung Bewerbungsgesprächen und
  • letztlichen Auswahl von Auszubildenden

darüber Gedanken machen. Wäge daher genau ab, welche Schlüsselkompetenzen für deinen Beruf erforderlich sind.

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Rechnungswesen lernen #5: Gib deinem Auszubildenden Zeit

Solltest du zu der Spezies der Rechnungswesen-Fans gehören, fällt dir der Teil der Ausbildung sicherlich leicht. Erwarte deshalb aber nicht, dass auch deine Auszubildenden von heute auf morgen alles verstehen. Plane genug Zeit zum

  • üben und
  • wiederholen

ein – denn das ist der Schlüssel zum Erfolg.

Damit du sichergehst, dass dein Auszubildender die Themen wirklich verstanden hat, lass sie dir von ihm erklären. Denke immer an die Lernniveaus und lege Wert darauf, dass er/ sie das Gelernte nicht nur aus dem Gedächtnis einfach wiedergibt (= Lernzielniveau 1 – Reproduktion), sondern auch mit eigenen Worten und sofern relevant/ möglich in geänderter Reihenfolge (= Lernzielniveau 2 – Reorganisation). So gehst du sicher, dass der Grundstein zur Anwendung (= Lernzielniveau 3 – Übertragung bzw. Transfer) und zum Problemlösungs-Denken (= Lernzielniveau 4 – schöpferische Neuleistung) gelegt wird.

Rechnungswesen lernen #6: Die Praxis ist der beste Lehrmeister

Apropos Üben – nutze hierfür keine staubtrockenen Übungen aus irgendwelchen Büchern, sondern reelle Geschäftsvorfälle. Im besten Fall hast du etwaige Rechnungen vorher schon mal durchgespielt, um auf Fragen vorbereitet zu sein.

Sollte dein Unternehmen nicht über eine Abteilung für Buchhaltung oder Rechnungswesen verfügen, solltest du deinem Arbeitgeber eine Form der Verbundausbildung vorschlagen. Egal ob mit einem Partnerbetrieb oder als Auftragsausbildung – wichtig ist, dass dein Auszubildender die Möglichkeit bekommt, die Theorie anzuwenden.

Rechnungswesen lernen #7: Nachhilfe ist keine Schande

Hilft alles nichts? Solltest du merken, dass dein Auszubildender Probleme in Rechnungswesen hat, trete ruhig an Bildungsträger und andere Einrichtungen heran, um Nachhilfe zu organisieren. Je eher er damit anfängt, umso besser, denn so lassen sich Lücken leichter schließen.

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