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Was sind eigentlich … Schlüsselqualifikationen bzw. Schlüsselkompetenzen?

Was sind eigentlich ... Schlüsselqualifikationen?

Wie ich bereits in meinem Artikel über das Ziel der Berufsausbildung und berufliche Handlungsfähigkeit schrieb, setzt sich Letztere aus verschiedenen Schlüsselqualifikationen zusammen.

Dabei handelt es sich allerdings nicht nur um Fertigkeiten, Fähigkeiten und Kenntnisse die speziell auf den ausgebildeten Beruf bezogen sind. Vielmehr sollen diese auch berufsübergreifend bei anderen Tätigkeiten, Funktionen oder sogar in artfremden Berufsfeldern genutzt werden können – jetzt und natürlich auch in der Zukunft.

Schlüsselqualifikationen – ein Definitionsversuch

„Schlüsselqualifikationen sind erwerbbare allgemeine Fähigkeiten, Einstellungen und Wissenselemente,
die bei der Lösung von Problemen und beim Erwerb neuer Kompetenzen in
möglichst vielen Inhaltsbereichen von Nutzen sind, so dass eine Handlungsfähigkeit entsteht,
die es ermöglicht, sowohl individuellen als auch gesellschaftlichen Anforderungen gerecht
zu werden.“1

wichtige Erkenntnisse daraus:

  • Schlüsselqualifikationen sind erwerbbar und nicht vererbt
  • es handelt sich dabei nicht nur um kognitive Fähigkeiten
  • sie sind in unterschiedlichen sozialen und beruflichen Bereichen von großer Bedeutung
  • sie leiten sich aus den Anforderungen der (künftigen) Arbeits- und Lebenswelt ab
Oder anders gesagt: Auszubildende sollen lernen, berufliche Probleme sachgerecht, durchdacht und verantwortlich zu lösen – auch wenn die neue Situation nicht identisch mit der Geübten ist. Falls du dich an mein Beispiel mit dem Posteingang und -Ausgang erinnerst: Die/ Der Auszubildende sollte die Briefe auch bearbeiten können, wenn ein Umschlag beispielsweise schwerer oder größer als normal ist.

Zu den wichtigsten Bereichen der beruflichen Handlungsfähigkeit gehören die folgenden fünf Kompetenzbereiche, die wiederum aus verschiedenen Eigenschaften bestehen (dazu gleich mehr):

  • fachliche und methodische Kompetenz: Bereichsübergreifend einsetzbare Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten ermöglichen es, berufstypische Aufgaben ordnungsgemäß und fachgerecht zu erledigen. Dazu zählt auch die Fähigkeit, sich fehlendes Fachwissen anzueignen, um berufliche Herausforderungen zu meistern. Methodenkompetenz stellt hierbei eine Grundlage dar, um Fachkompetenz aufzubauen.
  • persönliche Kompetenz: Hierbei handelt es sich um Einstellungen, Werten und Fähigkeiten im Umgang mit sich selbst – aber auch im Bezug auf die Umwelt und Arbeit.
  • soziale Kompetenz: Diese Kompetenzen befähigen zur Interaktion, Kommunikation und dem Austausch von Informationen mit Anderen. Im Berufsleben bilden sie eine Grundlage zur Bereitschaft und Fähigkeit mit Kollegen und Vorgesetzten auf eine kooperative und konstruktive Art zusammenzuarbeiten.
  • Medienkompetenz: Nicht nur im Alltag, sondern auch im Berufsleben kommen Auszubildende immer öfter mit Medien in Berührung. Daher ist es wichtig, dass sie sich mit der Technik sowie ihren Inhalten und Zielen auseinandersetzen.

Welche Schlüsselqualifikationen verlangt die Arbeitswelt von Einzelnen?

Das kann man pauschal nicht so sagen, denn diese sind je nach Beruf und Arbeitsalltag ganz unterschiedlich. Im Folgenden möchte ich einige Beispiele für wichtige Soft Skills in der Arbeitswelt (auch während der Ausbildung!) präsentieren:

Kompetenz Beispiele/ Liste der Schlüsselkompetenzen
Fach- und Methoden-Kompetenz
  • Arbeitsleistung
  • Arbeitsqualität
  • fachliche Fertigkeiten
  • fachliches Wissen
  • Problemlösungsstrategien
  • Lern- und Arbeitsmethodik
Selbst-Kompetenz
  • abstraktes Denkvermögen
  • analytisches Denkvermögen
  • Ausdauer
  • Belastbarkeit
  • Disziplin
  • Durchhaltevermögen
  • Eigeninitiative
  • Einsatzwille
  • Effizienz
  • Entscheidungsfähigkeit
  • Flexibilität
  • Gesprächsbereitschaft
  • Geduld
  • Interesse
  • Konzentrationsfähigkeit
  • Kreativität
  • Leistungsbereitschaft
  • Lernbereitschaft
  • Lernfähigkeit
  • logisches Denkvermögen
  • Motivation
  • Neugier
  • Qualitätsorientierung
  • Selbstständigkeit
  • Sorgfalt
  • Sprachkompetenz
  • Urteilsvermögen
  • Umgang mit Veränderungen
  • Zuverlässigkeit
Sozial-Kompetenz
  • Aufgeschlossenheit
  • Durchsetzungsfähigkeit
  • Einfühlungsvermögen
  • Firmenbezug
  • Hilfsbereitschaft
  • Interkulturelle Kompetenz
  • Konfliktfähigkeit
  • Kontaktfähigkeit
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Kompromissfähigkeit
  • Kooperationsbereitschaft
  • Kritikfähigkeit
  • Teamfähigkeit
  • Toleranz
  • Umgangsformen
  • Umweltschutz-Bewusstsein
  • Verantwortungsbewusstsein

Warum sind Schlüsselqualifikationen so wichtig?

Unsere Welt unterliegt einem stetigen Wandel. Vor allem das Berufsleben hält ständig neue Überraschungen bereit. Damit Auszubildende bzw. künftige Fachkräfte dafür gewappnet sind, benötigen sie Schlüsselkompetenzen, um Aufgaben fachgerecht zu bewältigen.

Sobald Sie eine benötigte (Teil-)Kompetenz oder auch “den Schlüssel” besitzen, eröffnen sich neue spannende Möglichkeiten, von denen nicht nur die jungen Menschen selbst profitieren, sondern auch dein Unternehmen.

Herausforderungen wie die Globalisierung, Tertiarisierung, steigende Informations- und Wissensflut, neue Formen der Betriebs- und Arbeitsorganisation können nur durch Mitarbeiter bewältigt werden, deren Schlüsselfähigkeiten kontinuierlich gefördert werden.

Der Diskurs über den Begriff “Schlüsselkompetenzen” entfachte übrigens in den 70er Jahren, als Unternehmen nach einer Möglichkeit suchten, ihre Konkurrenzfähigkeit erhalten. Aber auch Arbeitnehmer hatten zu der Zeit ein zunehmendes Interesse daran, ihre individuellen Fähigkeiten zu festigen und auszubauen, um einmal erworbene Berufsqualifikation zu erhalten.2

Wie können Schlüsselqualifikationen gefördert werden?

Wichtig ist, dass du dir bewusst machst, dass es Kompetenzbereiche gibt, die besser gefördert werden können, als andere. Fremdsprachen und EDV-Kenntnisse beispielsweise, die in den Bereich Sach- und Fachkompetenz fallen, können sehr gut vermittelt werden. Auch Zeitmanagement (Methodenkompetenz) und Präsentationstechniken (Sozialkompetenz) sind erlernbar, doch es gibt viele Selbstkompetenzen, die das Ergebnis impliziter Lernvorgänge im Alltag sind.3

Daher solltest du als Ausbilder nicht nur darauf setzen, fachnahe und fachlich fundierte Schlüsselqualifikationen zu fördern, sondern auch großen Wert auf einen gepflegten Umgang miteinander legen – und dies auch vorleben. Du bist das Vorbild deiner Auszubildenden und sie orientieren sich an deinem Verhalten.

  • Wenn du beispielsweise unfreundlich zu Kunden bist,
  • keine Lust auf deine Arbeit hast,
  • in Gesprächen lieber redest als zuhörst oder
  • ständig Sachen anfängst, aber nicht zu Ende bringst,

beeinflusst du damit direkt die Selbst- und Sozialkompetenz deiner Auszubildenden, obwohl du dir dessen vielleicht gar nicht bewusst bist.

Zusammenfassung der behandelten Fragen zum Thema “Flyer erstellen” in diesem Artikel:

Welche Bedeutung haben Schlüsselqualifikationen bzw. Schlüsselkompetenzen?

Welche Schlüsselqualifikationen gibt es AdA?

die wichtigsten Schlüsselqualifikationen

Vom Konzept der Schlüsselqualifikationen zum Konzept beruflicher Handlungskompetenz

Notwendigkeit der Schlüsselqualifikationen bzw. Schlüsselkompetenzen

Einteilung der Schlüsselqualifikationen bzw. Schlüsselkompetenzen

Was sind fachübergreifende Schlüsselqualifikationen?

Was sind Schlüsselqualifikationen Definition/ AEVO/ Beispiele/ Ausbildung?

Warum werden Schlüsselqualifikationen immer wichtiger?

Warum Schlüsselqualifikationen heute wichtig sind

Wie werden Schlüsselqualifikationen vermittelt?

Wie können Schlüsselqualifikationen gefördert werden?

Fußnoten

  1. Quelle: Orth, Helen (1999): Schlüsselqualifikationen an deutschen Hochschulen. Konzepte, Standpunkte und Perspektiven. Neuwied/Kriftel/Berlin: Luchterhand, S. 107
  2. Quelle: Vom Konzept der Schlüsselqualifikationen zum Konzept beruflicher Handlungskompetenz: https://www-user.tu-chemnitz.de/~nean/Praesentationen/Vortrag-Oberthal.pdf; abgerufen am 15. Januar 2017.
  3. Quelle: Weinert, Franz E. (1998): Vermittlung von Schlüsselqualifikationen. In: Matalik, Silvia/Schade, Diethard (Hrsg.): Entwicklungen
    in Aus- und Weiterbildung: Anforderungen, Ziele, Konzepte. Baden-Baden: Nomos, S. 35

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Kommentare


Was sind eigentlich … Schlüsselqualifikationen? | Bestbloggers.de Januar 16, 2017 um 3:06 am

[…] „Schlüsselqualifikationen sind erwerbbare allgemeine Fähigkeiten, Einstellungen und Wissenselemente, die bei der Lösung von Problemen und beim Erwerb neuer Kompetenzen in möglichst vielen Inhaltsbereichen von Nutzen sind, so dass eine Handlungsfähigkeit entsteht, die es ermöglicht, sowohl individuellen als auch gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden.“1 […]

Antworten

Beatrix Andree Januar 18, 2017 um 3:09 pm

Hallo Katja, ich finde die Interkulturelle Kompetenz hat auch eine herausragende Schlüsselfunktion. Und wird in unserer globalisierten Welt immer wichtiger.
Viele liebe Grüße,
Beatrix

Antworten

Katja Januar 19, 2017 um 12:38 am

Hallo Beatrix,

vielen lieben Dank für deinen Kommentar! Du hast zweifelsohne Recht, dass interkulturelle Kompetenz immer wichtiger wird. Ich habe sie direkt in die Liste mit aufgenommen!

Liebe Grüße,
Katja

Antworten

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