Tabu-Fragen – Diese Themen gehören nicht in ein Bewerbungsgespräch mit Auszubildenden

Eines der beliebtesten Themen, zu denen wahrscheinlich jeder im Rahmen der Ausbildung der Ausbilder etwas sagen kann, sind Bewerbungsgespräche. Wie es ablaufen sollte – oder besser auch nicht – wissen viele Teilnehmer noch aus ihren eigenen (meistens) leidvollen Erfahrungen. Doch welche Fragen tabu sind und daher nicht gestellt werden sollten, ist oftmals nicht ganz klar.

Daher beschäftige ich mich in diesem Artikel mit all den Themen, die im Bewerbungsgespräch mit Auszubildenden nichts zu suchen haben (oder vielleicht unter bestimmten Voraussetzungen?).

Wann darf der Bewerber nicht lügen?

Daneben gibt es natürlich auch noch zulässige Fragen wie beispielsweise zur eigenen Person oder dem persönlichen Werdegang. Wenn der Bewerber bei diesen Fragen lügt, begeht er gemäß §123 BGB1 eine arglistige Täuschung.

Darf der Bewerber lügen?

Kurz und knapp „Ja“. Sogar ohne dafür später belangt zu werden, wenn es zu einer Einstellung kommt. Nun kommt aber das bekannte „aber“: wenn es für den Arbeitgeber/ Ausbildenden und das künftige Ausbildungsverhältnis von großer Bedeutung ist, hat der Bewerber eine Offenbarungspflicht.

Einige Beispiele aus der Praxis:

Beruf/ Ort beispielshafte Themen nach denen gefragt werden darf
allgemein
  • Behinderung, wenn dadurch die Arbeitstätigkeit eingeschränkt ist
  • Ansteckende Krankheiten (aber nicht spezifisch nach Beispielen)
Bankkaufleute, Verkäufer Diebstahl
Berufskraftfahrer Punkte auf dem Konto in Flensburg
Christlicher Kindergarten Religion
Friseur Allergien
Zeitung Religion, Gewerkschaftszugehörigkeit
[alert style=“warning“]Darüber hinaus gibt es Themen, die der Bewerber von sich aus ansprechen sollte, auch wenn der Arbeitgeber bzw. du als Ausbilder nicht daran fragen darfst. Ein gutes Beispiel hierfür sind Gebetspausen. Wenn der Auszubildende plant während der Ausbildungszeit zu beten und dadurch der betriebliche Ablauf gestört wird, ist das schon etwas, was thematisiert werden sollte – aber nicht muss, wie das LAG Hamm im Jahr 2002 entschied 2.[/alert]

Nun aber zu den versprochenen Tabu-Fragen während eines Bewerbungsgespräches:

Natürlich sind Fragen zur Person des Bewerbers durchaus zulässig – doch mehr auch nicht. Fragen zu

  • der Kinderplanung (auch nicht zu einem geplanten Ausfall durch Mutterschutz),
  • einer Schwangerschaft,
  • Heiratsabsichten,
  • sexuellen Vorlieben,
  • Feiergewohnheiten,
  • dem ausgelebten Glauben,
  • Bewerbungen bei anderen Unternehmen,
  • der Kündigungsgrad bei einem vorherigen Arbeitgeber bzw. Ausbildenden (sofern vorhanden)

oder ähnlichen Themen solltest du vermeiden, wenn du als Ausbilder an einem Bewerbungsgespräch teilhaben kannst.

Wie ist es in deiner Region? Gehören tarifliche Vergütungen und ein Betriebsrat dort zum guten Ton? In Sachsen-Anhalt bzw. generell in den neuen Bundesländern gibt es diese Konstellation deutlich seltener als in den alten Bundesländern. Hierzulande profitieren die Mitarbeiter in etwa jedem vierten Unternehmen3 von diesem Luxus. Daher wundert es nicht, dass Arbeitgeber gerne vor dem Eintritt der künftigen Auszubildenden ins Unternehmen wüssten, was sie zu erwarten haben. Doch Fragen dazu, ob der/die Auszubildende oder dessen/ deren Eltern Mitglied in einer Gewerkschaft sind oder eine Mitarbeit im Betriebsrat bzw. in der Jugend-und Auszubildendenvertretung geplant ist, sind unzulässig. Natürlich darf aber davon berichtet werden, wenn es derartige Möglichkeiten im Betrieb gibt und Fragen von Seiten des Bewerbers dazu beantwortet werden.

Im Übrigen sollten auch Fragen zur Parteizugehörigkeit vermieden werden. Dies ist eine private Angelegenheit und hat im Berufsleben nichts zu suchen.

Wie viel Geld sich auf dem Konto befindet oder in einer eventuellen Ausbildung davor verdient wurde gehören ebenso wenig in ein Bewerbungsgespräch wie Fragen nach Vorstrafen oder Krankheiten. Auch wenn der Arbeitgeber/ Ausbildende natürlich ein berechtigtes Interesse daran hat zu erfahren, was in der Vergangenheit des Bewerbers passierte oder welche Krankheiten eventuell bald für einen krankheitsbedingten Ausfall sorgen.

Stressfragen sind erlaubt

Im Übrigen gibt es auch unangenehme Fragen, die durchaus gestellt werden dürfen. Diese sogenannten Stressfragen untergliedern sich in

  • Analogie-Fragen (z. B. Wenn Sie ein Tier wären, welches wären Sie? – so erfährst du als Ausbilder mehr über die beruflichen Ziele, Motivation und Werte des Bewerbers)
  • Fangfragen (z. B. Können Sie sich Gründe vorstellen, weswegen jemand nicht gerne mit Ihnen zusammenarbeitet? – auch hier geht es wieder um die Motivation des Bewerbers, aber auch um die Arbeitsweise)
  • Provokationen (z. B. Ich kann mir schwer vorstellen, dass Sie in unser Unternehmen passen! – fies, aber im Rahmen, um mehr über die Reaktionen unter Stress zu erfahren)
  • Brainteaser (z. B. Wie viele Gärten gibt es in unserer Stadt? Das kann der Bewerber natürlich nicht wissen – aber die Antwort gibt Aufschluss über dessen Kreativität)
  • Trichterfragen (z. B. Welchen Mehrwert konnten Sie während des Praktikums schaffen? – auch so erfährst du mehr über die Arbeits- und Denkweise des Bewerbers)

Bevor du in dein erstes Bewerbungsgespräch gehst, würde ich dir allerdings raten, dich ein wenig mit Tipps und Tricks für Personaler auseinander zu setzen. Inzwischen kann man nicht nur viele Bücher online kaufen, sondern es gibt auch zahlreiche Seiten speziell für Personaler, die in Bewerbungsgespräche gehen.

[alert style=“success“]Trotz allem möchte ich abschließend aber noch mal betonen: du bist dort mit jungen Menschen im Gespräch, die vielleicht ihr erstes Bewerbungsgespräch mit dir erleben. Fragen á „Wenn Sie ein Tier wären, welches wären Sie?“ verwirren schon gestandene Erwachsene – was macht das erst mit halben Kindern – auch wenn sich die künftigen Auszubildenden natürlich nicht mehr als solches sehen würden. ;)[/alert]

Dazu kommt, dass viele Schulen nur unzureichend auf Bewerbungsgespräche vorbereiten. Mit Ach und Krach wird häufig noch ein Lebenslauf zusammengeschustert, der inhaltlich und optisch meistens nicht den neuen Anforderungen an modernen Bewerbungen entspricht. Aber richtige Vorbereitungsgespräche sind sehr sehr selten. Auch Eltern wissen meistens nicht, worauf es heute bei Bewerbungsgesprächen ankommt. Also habe Nachsicht und stell dir immer vor: es könnte auch dein Kind sein.
[alert style=“info“]

Zusammenfassung der behandelten Fragen zum Thema „Tabu-Fragen“ in diesem Artikel:

  • Tabu Fragen Vorstellungsgespräch
  • Tabu Fragen bei Vorstellungsgesprächen
[/alert]

Fußnoten

  1. Quelle: § 123 Anfechtbarkeit wegen Täuschung oder Drohung, BGB: http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__123.html; letzter Abruf: 21. Dezember 2016
  2. Quelle: Gebetspausen während der Arbeitszeit: http://www.arbeit-und-arbeitsrecht.de/kommentare/gebetspausen-waehrend-der-arbeitszeit; letzter Abruf: 21. Dezember 2016
  3. Quelle: Tariflöhne und Betriebsräte im Osten seltener: http://www.volksstimme.de/nachrichten/deutschland_und_welt/deutschland/1486164_Tarifloehne-und-Betriebsraete-im-Osten-seltener.html; letzter Abruf: 21. Dezember 2016

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