Zeitmanagement & Produktivität

Tim Ferriss: die vier Stunden Woche – geht das wirklich?

Katja Schönefeld, Dozentin, Ausbilderin und Chaotin

Jul 27, 2017

Als ich das erste Mal von diesem Buch hörte, fragte ich mich ernsthaft, wie es möglich sein sollte, nur vier Stunden pro Woche zu arbeiten. Vier Stunden. Solange bräuchte ich ja alleine schon, um E-Mails zu checken – auf eine Woche gesehen. Daher gab ich Tim Ferriss keine Chance.

Zwei Jahre später stolperte ich buchstäblich über das Buch, denn es lag als Türstopper auf einer Schwelle. Inzwischen hatte mich das Interesse an den Themen Zeitmanagement und Produktivität gepackt und ich wollte wissen, wie Ferriss es angeblich schaffen wollte, nur vier Stunden pro Woche arbeiten zu können.

Zu können, weil ich persönlich es nicht als Strafe ansehe zu arbeiten. Ich kann seit einigen Jahren mit tollen Kunden zusammenarbeiten und habe dadurch viele spannende Projekte miterleben können. Arbeit ist für mich daher kein Unwort, sondern eher ein Hobby.

Wer ist Tim Ferriss?

Tim (eigentlichTimothy) Ferriss wurde am 20. Juli 1977 in East Hampton, New York geboren. Eigentlich erlang der Gute einen Abschluss in Ostasienwissenschaften von der Princeton University, um dann in der Nahrungsergänzungsmittel-Branche Fuß zu fassen. Schnell merkte er allerdings, dass seine Arbeitsweise nicht erfolgbringend war. Schon kurze Zeit nach der Gründung seines Unternehmens 2001 BrainQUICKEN stellte er fest, dass er sich eigentlich totackerte – für kaum Geld. Daher stellte er seine Arbeitsweise, Zeitmanagement und Glaubenssätze vollkommen in Frage und startete neu.

Es dauerte allerdings noch etwas bis er zum Bestseller-Autor wurde, denn sein Buch „Die 4-Stunden Woche (im Original „The 4-Hour Workweek“ wurde erst 2007 von dem Verlag „Random House“ herausgegeben. Durch geschicktes Marketing kletterte der Ratgeber die Bestenliste der New York Times und es Wall Street Journals hinauf, um dann auf Platz 1 erst mal ein wenig zu bleiben. Doch was macht das Buch so lesenswert?

Die 4 Stunden Woche Zusammenfassung – die Grundideen von Tim Ferriss

Das Buch unterteilt sich neben einer umfassenden Einleitung in vier Schritte, die ich dir im Folgenden kurz umreißen möchte. Bedenke dabei bitte, dass das Buch mehr als 300 Seiten umfasst – es handelt sich hierbei wirklich nur um die prägnanten Kernaussagen, wegen denen der Ratgeber gleichzeitig umstritten, wie bewundert wird:

Schritt 1 – D wie Definition

  • In diesem Kapitel legt Tim Ferris dar, wieso ein ausreichendes Einkommen das Ziel jedes Menschens sein sollte – nicht der „vergoldete Ruhestand“, den man vielleicht nicht mal erreicht, weil man vorher stirbt.
  • Um den Grundstein zur Erreichung des Ziels zu legen, soll man sich seinen Traum ausmalen – so umfassend und bunt wie möglich.
  • Es sei aber genauso wichtig, sich seine Ängste bzw. den Worst-Case auszumalen. Nicht, um sich abzuhalten, sondern Lösungen für das zu finden, was schlimmstenfalls passieren kann.

Schritt 2 – E wie Eliminieren

  • Ablenkungen sollten vermieden werden. Multitasking ist zwar nett, lenke aber vom Fokus ab.
  • Man sollte sich (wieder) daran gewöhnen, nur eine Sache gleichzeitig zu machen, um sich auf diese bestmöglich zu konzentrieren.
  • Projekte und Vorhaben sollten niemals aus Pflichtbewusstsein zwanghaft abgeschlossen werden. Wenn sie sich nicht mehr lohnen, ist es unternehmerisches Denken, diese Dinge abzubrechen und sich auf erfolgsversprechendere Ziele zu konzentrieren.

Schritt 3 – A wie Automation

  • Der Fokus bei der Projektplanung sollte darauf liegen, dass diese Geschäftsmodelle voll automatisierbar seien.
  • Hierfür sollen Aufgaben an Personal delegiert werden.
  • Die Abläufe des Unternehmens/ Projektes sollten so geplant werden, dass sie auch ohne dein Zutun allein laufen.
  • Auch wenn diese Unterstützung Geld kostet, lohnt sich die Investition.

Schritt 4 – L wie Liberation (oder auch Befreiung)

  • Für Arbeitnehmer und Selbstständige gilt gleichermaßen: das Ziel ist es, sich von der Anwesenheitspflicht zu befreien.
  • Die Arbeit soll so arrangiert werden, dass sie jederzeit, von jedem Ort aus durchführbar ist – egal ob von dir oder deinem Personal.
  • Ferriss‘ Devise lautet: günstig leben ist super, aber das Geld sollte dort verdient werden, wo es im Übermaß vorhanden ist.
  • Durch das Fokussieren (siehe Schritt 2) benötigst du weniger Zeit für Projekte.
  • Die daraus gewonnene Zeit sollte man sinnvoll für sich und seine Familie oder neue Projekte nutzen.

Einige Lösungsansätze des Buches „Die 4 Stunden Woche“ im Detail

In den nächsten Abschnitten möchte ich dir noch einige wichtige Tipps von Tim Ferriss vorstellen.

Nein-Sagen

Wie ich dir bereits in meinem Artikel über das Thema Persönlichkeitstypen für ein Burn-out erzählte, gibt es Menschen, die gerade dazu prädestiniert sind, irgendwann an chronischer Erschöpfung zu leiden. Dazu gehören jene, die einfach nicht Nein-Sagen können. Ich weiß selbst, wie schwer das ist. Wir sind durch unsere Erziehung und Gesellschaft sehr darauf getrimmt, zu funktionieren. Denn dann haben uns andere gern, sind nett zu uns und wir werden integriert.

Aber kommt man damit immer weiter? Leider nicht. Denn so wird man eher zum Opfer der Menschen, die einen Radar für Nicht-Nein-Sagen-Könner haben. In meinen Kursen erzähle ich immer, dass ich meine Teilnehmer vorstellen sollen, dass diese Menschen einen richtigen Radar im Kopf haben. Auf diesem Leuchten potenzielle Opfer die rote Christbaumkugeln. Als Dankeschön für das Ja-Sagen gibt es dann Lob, Anerkennung und Aufmerksamkeit. Doch um welchen Preis?

Denn wenn man „Nein!“ sagt, zeigt sich oftmals das wahre Gesicht. Oder wenn man selbst Hilfe braucht. Daher ist es immer wichtig zu schauen: Wer braucht wirklich Unterstützung? Oder wer macht es sich dadurch einfach ziemlich einfach.

Für Arbeitnehmer: sich im bisherigen Job rarer machen

Das Buch „Die 4 Stunden Woche“ richtet sich auch an Arbeitnehmer. Für diese empfiehlt Tim Ferriss allerdings, nicht in der Reihenfolge 1,2,3,4 bzw. DEAL vorzugehen, sondern 1,2,4,3 bzw. DELA. Wichtiger ist es zunächst, Möglichkeiten zu finden, weniger im Hauptjob zu arbeiten und sich immer mehr eigenen Projekten widmen zu können.

Für Unternehmer und Angestellte: 

Daneben gibt es eine Reihe von Tipps für beide Arten von Beschäftigten:

Das Business mit klaren Strukturen und Anweisungen automatisieren

Damit dieses Vorhaben funktionieren kann, ist Schritt 3 elementar. Ohne die Automation kann man dem Hamsterrad der Arbeit nicht entkommen. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten, die ich im Folgenden näher erläutern möchte.

Virtuelle Assistenz

Als gelernte Bürokauffrau hätte ich mir während meiner Ausbildung nicht vorstellen können, dass man irgendwann nicht mehr in der Nähe seines Arbeitgebers sitzt, sondern irgendwo. Doch das Internet und der pausenlos voranschreitende Fortschritt in Sachen Technik macht es möglich, dass dies eigentlich immer öfter unnötig wird. Internet, ein Tablet oder Notebook und im besten Fall eine Unterlage (wie z. B. ein Tisch) sind eigentlich völlig ausreichend.

Dies beweisen auch die vielen VA-Services, die in den letzten Jahren erfolgreich aus dem Boden sprießen. Sie haben sich darauf spezialisiert,

  • Unternehmer, die den Wunsch nach mehr Zeit haben mit
  • Assistentinnen (aus der ganzen Welt) zusammenzuführen, die sie unterstützen können.

Dabei ist eine Ausbildung eigentlich irrelevant – wichtig ist nur, dass die VA dieselbe Sprache spricht und motiviert ist, die aufgetragenen Aufgaben motiviert zu erledigen.

Büroservice

Während virtuelle Assistenten bestens geeignet sind, den administrativen Teil und Schriftkram zu erledigen, übernehmen Dienstleister wie Bueroservice24.de eher den telefonischen Teil. Natürlich kann man Terminabsprachen oder häufig gestellte Fragen auch schriftlich per Mail beantwortet werden. Aber vielen Kunden ist der persönliche Kontakt immer noch sehr wichtig. Doch da das Ziel von Ferriss‘ Grundidee ja nicht ist, pausenlos am Telefon zu sitzen, sollte auch dies automatisiert werden.

Daher übernimmt ein Büroservice diesen Part. Oftmals können Anrufe nicht nur angenommen und das Anliegen des Kundens weitergeleitet werden, sondern es ist ebenso möglich Termine vereinbaren zu lassen und häufig gestellte Fragen durch den Telefon-Support klären zu lassen.

Dropshipping-Anbieter

Wenn du handfeste Waren verschicken möchtest, kann dir ein Dropshipping-Anbieter dabei helfen, alle zeitaufwendigen Arbeiten wie Einkauf, Lager, Verpackung und Versand zu übernehmen.

Der Ablauf könnte folgendermaßen sein:

  • Du findest eine Nische, passende Produkte und organisierst einen Online-Shop (oder lagerst auch das entsprechend aus).
  • Der Versand der Produkte erfolgt per Dropshipping.
  • Das Marketing übernimmt ein entsprechender Profi.
  • Den Schriftverkehr die virtuelle Assistenz.
  • Den telefonischen Support der Büroservice.
  • Du kümmerst dich um das Zahlungswesen oder lagerst auch dies aus.

Ich weiß, dass ist sehr vereinfacht runtergebrochen und im wahren Leben natürlich mehr Aufwand. Es soll die Vorgehensweise nur vereinfacht darstellen. 🙂

Eine Liste bekannter Dropshipping-Unternehmen findest du übrigens hier.

Die Wenn-Dann-Kommunikation

Kennst du die Wenn-Dann-Funktion in Excel? Genauso kann Kommunikation mit Dienstleistern erfolgen. Während des Schreibens oder während Gesprächen sollte immer weitmöglich abgeklärt werden, was passieren kann und wie dann reagiert wird. Denn nur so können (nervige) Nachfragen vermieden werden.

  • Wenn Situation A eintritt, dann soll Reaktion X folgen.
  • Wenn Situation B eintritt, dann soll Reaktion Y folgen.

X oder Y kann beispielsweise der Versand sein, aber auch die Kontaktaufnahme des Dienstleisters C mit Dienstleister D. Das Ziel soll einfach nur sein, dass du selbst weniger involviert wirst und dein Personal oder deine Dienstleister dir die Organisation weit möglich abnehmen.

Mein persönliches Fazit

Vorab muss ich noch mal betonen, dass mir klar ist, dass die Ideen aus dem Buch „Die 4 Stunden Woche“ nicht für jeden geeignet sind. Auch in meinem Berufsfeld als Dozentin ist das nicht von heute auf morgen machbar. Aber Tim Ferriss hat mich zum Nachdenken angeregt – und damit war der Ratgeber auch das Lesen wert. Seit dem achte ich mehr auf meine Art der Kommunikation und überlege bei neuen Projekten, wie ich das Ganze entsprechend automatisieren kann.


Hast du das Buch auch schon gelesen? Falls ja, wie fandest du es? 🙂

Frag Katja!
Hast du Fragen rund um die Themen
  • Ausbilder werden & Ausbilder-eignungsprüfung oder
  • Ausbildung (rechtliche und pädagogische Aspekte)?
 
Her damit!

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