5 Tipps für die Motivation von Auszubildenden

In einer meiner letzten News für Ausbilder berichtete ich darüber, wie die Roll Truck-Service GmbH aus Crailsheim ihren Auszubildenden für die gute Zusammenarbeit mit einem Azubi-Mobil dankt. Doch sind materielle Dinge eine gute Möglichkeit um Auszubildende zu motivieren und welche Möglichkeiten gibt es noch? Eben dieser Frage möchte ich heute auf den Grund gehen!

Was ist Motivation eigentlich?

Bevor ich euch mehr über die Motivation von Auszubildenden verrate, folgt ein kurzer Exkurs in die Begriffsdefinierung des Terminus Motivation – denn das Wort ist irgendwie in aller Munde, aber erklären können es deutlich weniger.

Als Motivation wird (nach Joseph E. LeDoux1) das Streben von Menschen nach Zielen oder erwünschten Objekten bezeichnet, welches durch emotionale und neuronale Aktivitäten gesteuert wird.

Im Rahmen der Ausbildung sollte der Auszubildende das Ziel haben,

  • möglichst viel zu lernen,
  • gute Prüfungsergebnisse zu erzielen,
  • die Ausbildung erfolgreich zu beenden und
  • so eventuell auch eine höhere soziale Anerkennung zu erlangen.

Daher sprechen Ausbilder auch oft von einer Lernmotivation. Diese Motivation zum Lernen setzt sich wiederum aus Motiven zusammen, die grundsätzlich wie folgt unterschieden werden:

 

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Aktuelle Lernmotivation

Ein Beweggrund in einer bestimmten Einzelsituation bzw. ein situationsspezifischer Zustand (z. B. möchte ein Auszubildender rechtzeitig und zu einem bestimmten Zeitpunkt mit der Vorbereitung auf eine Klassenarbeit in der Berufsschule beginnen)

Habituelle Lernmotivation

Sobald eine aktuelle Lernmotivation regelmäßig wiederholt wird und im besten Fall schon gewohnheitsmäßig abläuft, spricht man von einer habituellen Lernmotivation (z. B. ist es dem Auszubildenden wichtig, sich immer rechtzeitig auf eine Klassenarbeit vorzubereiten – oder er lernt kontinuierlich freiwillig)

Doch woher kommt beispielsweise der Gedanke, regelmäßig lernen und sich rechtzeitig auf Arbeiten oder Prüfungen vorbereiten zu wollen? Hierfür gibt es nach Auffassung von Experten zwei Gruppen von Motivinhalten:

Direkte oder Primäre Motive, oft auch intrinsische Motivation genannt

Die Motivation des Auszubildenden ist von innen geleitet, weil …

  • ihm/ ihr die Ausbildung Spaß macht,
  • das Thema interessant ist,
  • er/ sie schlichtweg neugierig ist,
  • Lernen und damit verbundene Erfolge glücklich machen oder
  • er/ sie weiß, dass die Klassenarbeit/ Prüfung deutlich entspannter verlaufen wird, wenn man gut darauf vorbereitet ist.

Indirekte oder sekundäre Motive, oft auch extrinsische Motivation genannt

Die Motivation des Auszubildenden wird von außen beeinflusst, weil …

  • es er/ sie für gute Leistungen während der Ausbildung Anerkennung von erhält,
  • es Boni gibt,
  • die Bezahlung nach der Ausbildung im besten Fall höher ist, wenn die Abschlussnote sehr gut ist,
  • er/ sie im Anschluss studieren möchte und dafür einen guten Ausbildungsabschluss benötigt oder
  • nach der Ausbildung übernommen werden möchte und das in deinem Betrieb nur möglich ist, wenn der Notendurchschnitt besser als 3 ist.

Genug der Theorie – nun folgen 5 Tipps, wie du deine Auszubildenden langfristig motivierst!

Tipp #1 zur Motivation von Auszubildenden: Schaffe kontinuierliche Lern-Erfolgserlebnisse

Leider lernen viele in der Schule schon: Lernen ist ätzend und zeitraubend. Dabei kann es deinen Azubis wirklich Spaß machen, wenn du lernlogisch aufgebaute Lern- und Ausbildungspläne aufstellst, die mithilfe der Didaktischen Prinzipien strukturiert sind.

Um Lernerfolge zu messen, solltest du regelmäßige Lernerfolgskontrollen durchführen! Diese zeigen dir zum einen, dass deine Ausbildungsmethoden sinnvoll sind und dein Auszubildender Lernfortschritte verzeichnet.

Das Beste daran: Mit jeder gelungenen Lernerfolgskontrolle förderst du das Selbstvertrauen deines Auszubildenden und zeigst ihm, dass er auch mit verhältnismäßig geringem Aufwand gute Leistungen erzielen kann. Passende Lernerfolgskontrollen wie beispielsweise mündliche oder schriftliche Tests und das selbstständige Bearbeiten von lösbaren Arbeitsaufträgen sollten daher so oft wie möglich und nötig durchgeführt werden.

Tipp #2 zur Motivation von Auszubildenden: Erkenne die Leistungen deines Auszubildenden an

Wusstest du, dass eine Ursache für Diabetes bei Männern in fehlender Anerkennung liegt? Oder dass es etwa Dreiviertel aller Arbeitskräfte 2 belastet, zu wenig anerkannt und gelobt durch Führungskräfte zu werden? Dieser Aspekt gehört zu den Hauptkritikpunkten von Arbeitnehmern, neben mangelhaften Absprachen bzw. schlechter interner Kommunikation, Unklarheit bei der Aufgabenverteilung und dem fehlenden Verständnis für den Sinn von Aufgaben.

Mir ist klar, dass du nicht alle diese Baustellen direkt beeinflussen kannst, aber richtig loben ist definitiv in deinem Möglichkeitsbereich. Leider sind Lob und Anerkennung oftmals Mangelware in Firmen wie beispielsweise Umfragen der Plattform „Kraftwerk Anerkennung“ unter Arbeitnehmern in Deutschland und Österreich zeigte 3.

Doch wie lobt man nun richtig?

Tipp Hinweise
Lobe aufrichtig und ehrlich nicht, weil es dir hier oder in Seminaren empfohlen wird
Lobe eine konkrete Leistung z. B. „Susi, ich finde es gut, dass du heute morgen gesehen hast, dass die Lieferschein-Ablage voll ist und sie selbstständig abgearbeitet hast!“

Achte dabei allerdings auch darauf, dass du nicht nur Ergebnisse lobst, sondern auch Schlüsselkompetenzen wie Anstrengungsbereitschaft, Geduld oder Durchhaltevermögen!

Lobe zeitnah Wenn deine Auszubildenden größere Aufgaben zu bewältigen haben, die eventuell mehrere Tage oder Wochen dauern, warte nicht bis zum abschließenden Feedback-Gespräch mit deinem Lob, sondern äußere es zeitnah und konkret.
Lobe, wenn es passt Das Lob für deine Auszubildende können andere Azubis als Kritik verstehen – überlege daher, wann es sinnvoll ist vor Kollegen zu loben und wann es eher unter vier Augen angebracht ist.
Sage es deinem Auszubildenden persönlich per Mail oder WhatsApp verpufft die Wirkung
Schränke das Lob nicht ein z. B. „Susi, ich finde es gut, dass du heute morgen gesehen hast, dass die Lieferschein-Ablage voll ist und sie selbstständig abgearbeitet hast! Warum muss ich dich sonst immer dafür ermahnen?“
Lob müssen nicht nur Worte sein Natürlich ist verbales Lob klasse – doch wie wäre es, wenn eine tolle Leistung oder viel Engagement mit einem früheren Feierabend, einem Extra-Tag frei oder einer anderen Aufmerksamkeit belohnt werden?
Gib das Lob anderer weiter Erhältst du als Ausbilder Lob für deine Arbeit mit deinen Azubis? Gib es weiter – denn deine Arbeit gelingt nur so gut, weil deine Auszubildenden mitziehen.
Übertreibe nicht beim Loben Trotz der guten Vorhaben, sollte Lob nicht inflationär genutzt werden – denn zu häufig eingesetzt, verliert es seinen Wert.

Zeige deinen Auszubildenden Wertschätzung

Neben dem Lob, solltest du auch deine Haltung gegenüber deinen Auszubildenden überdenken. Behandelst du sie wertschätzend und mit Respekt? Falls nicht, arbeite an deiner inneren Haltung, um deine Azubis langfristig zu motivieren – denn wie Matthias Stolla so schön sagt: „Vor der Wertschöpfung steht die Wertschätzung!“4

Tipp #3 zur Motivation von Auszubildenden: Gebe deinem Azubi die Möglichkeit selbstständig zu arbeiten

Weißt du, was ein Hauptziel der Berufsausbildung ist? Auszubildende sollen ihre beruflichen Handlungen selbstständig planen, durchführen und kontrollieren können. Das erfordert allerdings, dass du Ihnen die Möglichkeit dafür gibst:

  • Wähle dem Ausbildungsstand angemessene Aufgaben aus.
  • Nutze den kooperativen Ausbildungsstil bzw. Führungsstil, um deinen Auszubildenden zu ermuntern, eigene Denk- und Lösungsansätze zu verfolgen – und nicht allzu sehr in seiner Tätigkeit einzuschränken.
  • Übertrage nach einem angemessenen Zeitraum die Verantwortung für (Teil-)Aufgaben, die deine Azubis selbstständig erledigen können.
  • Schaffe eine überschaubare/ transparente Ablauforganisation, in der sich dein Azubi zurechtfindet und dadurch sein erworbenes Wissen auch auf neue Fragestellungen übertragen kann.
  • Fördere ein günstiges Betriebsklima, dass angstfreies Arbeiten und sogar Fehler erlaubt.

Tipp #4 Motivation von Auszubildenden: Biete ihm Raum zur freien Entfaltung

Wenn du eine Aufgabe vergibst, erwarte nicht, dass dein Azubi diese genauso löst wie du. Gebe deinem Auszubildenden die Möglichkeit, eigene Lösungswege zu finden – solange die Aufgabe erfolgreich gelöst wird natürlich.

Beispiel:

Du delegierst die Aufgabe Büromaterial zu bestellen an deine Auszubildende. Du zeigst ihr, wie sie den Bestellschein auszufüllen hat, wie sie diesen faxt und wo er abgelegt wird. Als deine Auszubildende die Aufgabe selbstständig lösen soll, stellt sie fest, dass man die Bestellung auch über den Online-Shop aufgeben kann. Die Kosten sind gleich, das Zeitersparnis vielleicht sogar noch etwas höher, weil sie die Gegenstände nach dem Raussuchen direkt in den Warenkorb legen kann und nicht erst die Bestellnummer im Katalog suchen muss.

Zugegeben, sie hat die Aufgabe nicht so gelöst, wie du es erwartet hast – aber sie hat es! Fördere mit Lob in diesem Fall die Kreativität und Fähigkeit, Lösungswege nicht 1:1 zu kopieren, sondern selbstständig zu finden!

Tipp #5 Motivation von Auszubildenden: Ermögliche deinem Azubi die Selbstverwirklichung

Selbstverwirklichung wirkt auf den Anhieb immer wie ein Feindbild für kapitalistische Arbeitgeber – doch nutze doch die Ideale deiner Auszubildenden, um ihre Motivation zu erhalten! Fördere ihre eigenständige Arbeitsweise, übertrage angemessene Aufgaben oder Projekte, in denen dein Auszubildender sich selbst verwirklichen kann. Die Azubis von heute wollen nicht ewig die Räume fegen, Kaffee trinken oder das Telefon bedienen. Natürlich gehört das zweifelsohne in vielen Ausbildungen dazu – aber das darf nicht alles sein!

Oder würde dich diese Art der Arbeit auf Dauer glücklich machen?

Zusatz-Tipp #6: Wenn du es nicht allein schaffst …

… hol dir jemanden zur Seite, der dir hilft, deine Auszubildenden nachhaltig zu motivieren. Leider sieht die AEVO derzeit noch keine Auffrischung der arbeitspädagogischen Kenntnisse vor. Umso wichtiger ist es, dass du fortwährend selbst reflektierst, ob deine Art auszubilden effektiv und zeitgemäß ist. Falls du unsicher bist, gibt es Experten, die dir mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Alternativ nutze das Know-how von Profis wie Chris Ley, die in ihren Blogs zahlreiche Tipps zur Selbst- und Fremdmotivation geben. Wichtig ist, dass du dir klarmachst, dass es bei Mängeln nicht so weitergehen darf. Mir ist natürlich bewusst, dass die nebenberufliche Ausbildung nur wenig Zeit für Weiterbildung zulässt, aber du schulterst mit deiner Tätigkeit als Ausbilder nicht nur die Verantwortung für deine Arbeit, sondern bist auch deinen Auszubildenden gegenüber verpflichtet, deine Arbeit bestmöglich zu erledigen.

Nutze daher jede Woche etwas Zeit, um zu lesen, Podcasts zu hören oder Videos von Experten anzusehen, um dein Wissen immer wieder aufzufrischen!

Fußnoten

  1. Quelle: Joseph E. LeDoux: Das Netz der Persönlichkeit. Wie unser Selbst entsteht *
  2. Quelle: Statista.com: Wie sehr belastet es Sie, dass die für Ihre Arbeitsleistung erfahrene Anerkennung nicht angemessen ist?
  3. Quelle: Kraftwerk Anerkennung: Umfrage zu Anerkennungskultur – Ergebnisse 2013
  4. Quelle: Greatgrowingup.com: Ganzheitlich Ausbilden – Warum eigentlich?

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