Wie ist das eigentlich ... mit der Übernahme in ein Beschäftigungsverhältnis nach der Ausbildung?

Kennst du diesen Moment des Übermuts, in dem du denkst „Jetzt kann nichts mehr schiefgehen!“ und schon kommt von irgendwoher ein Schlag in die Magengrube? So erging es mir, als meine Teilnehmer mir nach der letzten Prüfung berichteten, dass es Fragen zur Übernahme in ein Beschäftigungsverhältnis nach der Ausbildung während der Ausbildereignungsprüfung gab.

Falls du dich auch gerade auf die AEVO-Prüfung vorbereitest oder dich als Ausbilder fragst, was es dabei zu beachten gilt: hier kommt die Lösung.

Aufgepasst: Die automatische Übernahme in ein Beschäftigungsverhältnis nach der Ausbildung

Eine meiner beliebtesten Fragen während der Vorbereitung auf die Ausbildereignungsprüfung ist Folgende: „Stellen Sie sich vor, Ihr Auszubildender kommt nach der bestandenen Gesellen- oder Abschlussprüfung noch mal zu Ihnen ins Unternehmen und wird durch eine weisungsberechtigte Person dazu aufgefordert, noch mal eben durchzufegen. Was passiert dann?“ Meistens lautet die Antwort der Runde in etwa „Na was soll da schon sein?

Ziemlich viel, denn dadurch gilt ein Arbeitsverhältnis auf unbestimmte Zeit als begründet 1, (sofern im Vorfeld nicht ohnehin schon etwas derartiges vereinbart wurde). Ups.

Passe daher bitte auf, was du dir von deinen frischgebackenen Fachkräften wünschst und instruiere auch alle weisungsberechtigten Personen, dass niemand etwas derartiges tun soll. Natürlich gibt es in diesem Fall noch Kündigungsmöglichkeiten – aber das ist Stress, den man sich ganz einfach ersparen kann.

Die geplante Übernahme in ein Beschäftigungsverhältnis nach der Ausbildung

Einfacher ist es, wenn die Zukunft des Auszubildenden schon im Vorfeld durchgesprochen und geplant wird. Beachte bitte, dass derartige Vereinbarungen nicht Bestandteil des Berufsausbildungsvertrages sein dürfen, da sie sonst nichtig sind.2 Nach der derzeitigen Rechtsprechung ist es allerdings möglich, in den letzten sechs Monaten vor Beendigung der Berufsausbildung, Verhandlungen über eine Weiterbeschäftigung nach der Ausbildung zu führen.3 Dabei können sowohl ein

  • befristetes, als auch
  • unbefristetes Arbeitsverhältnis

vereinbart werden. Nähere Informationen dazu kannst du der folgenden Übersicht entnehmen:

Unbefristete Arbeitsverträge

In der Regel wird ein unbefristeter Arbeitsvertrag auf unbestimmte Zeit geschlossen. Dieser kann jederzeit durch eine (fristgerechte) Kündigung oder einen Aufhebungsvertrag beendet werden.

Befristete Arbeitsverträge ohne Sachgründe

Ohne besondere Gründe zu nennen ist es möglich, einen Arbeitsvertrag einmalig für eine Dauer von zwei Jahren zu befristen.4 Dies gilt allerdings nur, wenn du als Ausbildender noch nie mit dem Auszubildenden ein Ar­beits­ver­hält­nis geschlossen hattest Stichwort „An­schluss­ver­bot“). Dafür kannst du den Vertrag innerhalb dieser zwei Jahre dann bis zu drei Mal verlängern, indem das Be­en­di­gungs­da­tum im Arbeitsvertrag nach hin­ten ver­legt wird.5

Befristete Arbeitsverträge mit sachlichen Gründen

Die dritte Variante sind befristete Arbeitsverträge, die auf Basis von Sachgründen geschlossen werden. Dazu zählen laut Gesetzgeber beispielsweise6:

  • es herrscht nur ein vorrübergehender Arbeitskräftebedarf,
  • die Ersteinstellung erfolgt direkt nach einer Ausbildung oder einem Studium,
  • der Arbeitnehmer vertritt einen anderen (z. B. während der Elternzeit),
  • die Arbeitsleistung hat eine Eigenart, die einer Befristung bedarf (z. B. Verträge mit Trainern),
  • die Arbeitsleistung des Arbeitnehmers soll erprobt werden (hierbei ist allerdings die Voraussetzung, dass nicht bereits zuvor ein Arbeitsvertrag mit diesem Arbeitnehmer bestand),
  • der Grund liegt beim Arbeitnehmer (z. B. befristeter Aufenthaltstitel)

Diese können beliebig oft befristet werden, sofern entsprechende Gründe vorliegen.

Tipp: Unternehmen, deren Gründung noch nicht länger als vier Jahre zurückliegt ist es möglich, diese Befristung sogar auf vier Jahre auszudehnen – ohne besonderen Grund!7

Noch ein paar Hinweis zur Übernahme in ein Beschäftigungsverhältnis nach der Ausbildung zum Schluss:

Bedarf eine Befristung der Schriftform?

Ja. Unabhängig davon, wie die Befristung ausfällt, fordert der Gesetzgeber bei Befristungsabreden immer die Schriftform!

Sind mit Sachgründen Kettenbefristungen möglich?

Ja. Abgesehen von dem An­schluss­ver­bot und der Erprobung der Mitarbeiter kann der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis so oft und so lange er möchte befristen. Beachte allerdings, dass Arbeitnehmer jederzeit das Recht hat, diese Befristungskette gerichtlich überprüfen zu lassen.

Wie endet ein befristeter Arbeitsvertrag?

Entweder durch einen Zeitablauf oder eine Zweckerreichung.

  • Beispiel Zeitablauf: Der Arbeitsvertrag ist befristet bis zum 23. Dezember diesen Jahres. Somit bedarf dieser befristete Vertrag keiner Kündigung, sondern läuft automatisch ab 23. Dezember ab.8
  • Beispiel Zweckerreichung: Der Arbeitsvertrag ist für die Pflege eines Patienten, bis zu seinem Tode, befristet. Wichtig ist hierbei aber, dass die Zweckerfüllung für beide Seiten absehbar ist. Zudem sieht der Gesetzgeber in der Regel eine schriftliche Unterrichtung des Arbeitnehmers über die Zweckerreichung vor. Bei meinem Beispiel endet der Vertrag mit dem Tode des Patienten, spätestens nach der Ankündigung des Arbeitgebers mit zwei Wochen Frist..9

Kann bei einem befristeten Arbeitsverhältnis vorzeitig gekündigt werden?

 Nein, in der Regel nicht. Sofern es im Zeitvertrag nicht anders geregelt ist oder der befristete Arbeitsvertrag für mehr als fünf Jahre eingegangen wird10, ist eine vorzeitige Beendigung eines befristeten Arbeitsverhältnisses nicht vorgesehen. Begründung hierfür ist, dass der Vertrag ja ohnehin schon zeitlich begrenzt ist und somit automatisch endet.

Daher sollte dein Arbeitsvertrag unbedingt über eine Regelung zur ordentlichen Kündigung verfügen. Natürlich stellt das einerseits ein Risiko dar, dass der Arbeitnehmer vorzeitig kündigt – doch so hast eben auch du die Möglichkeit davon Gebrauch zu machen.

Eine Ausnahme stellt natürlich die fristlose Kündigung dar, die bei schweren Pflichtverletzungen ausgesprochen werden kann. Mehr zu diesem Thema findest du auf zahlreichen Rechtsanwaltsseiten (beispielsweise hier).

Fußnoten

  1. Quelle: § 24 Berufsbildungsgesetz (BBiG)
  2. Quelle: § 12 Berufsbildungsgesetz (BBiG)
  3. Quelle: § 12 Berufsbildungsgesetz (BBiG)
  4. Quelle: § 14 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG)
  5. Quelle: § 14 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG)
  6. Quelle: § 14 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG)
  7. Quelle: § 14 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG)
  8. Quelle: 15 Abs. 1 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG)
  9. Quelle: 15 Abs. 1 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG)
  10. Quelle: § 15 Abs. 1 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG)

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