Ausbildung vorbereiten & bei der Einstellung von Auszubildenden mitwirken

Warum das Image eures Unternehmens das Ausbildungsmarketing beeinflusst

Katja Schönefeld. Speakerin, Ausbilderin & Trainerin

Letzte Aktualisierung am Apr 19, 2018 | Erstellt am Jan 14, 2018

Katja Schönefeld - Wie ist das eigentlich mit … Auszubildenden und SchadensersatzWarum das Image eures Unternehmens das Ausbildungsmarketing beeinflusst
{

Was, in dem Betrieb arbeitest du???

{

Wir finden keine Auszubildenden! Die jungen Leute haben einfach keine Lust mehr auf Arbeit!

Fragst du dich, was diese beiden Aussagen miteinander zu tun haben?

Im vergangenen Ausbildungsjahr konnten 48.937 Ausbildungsstellen nicht besetzt werden. Dem gegenüber stehen allerdings 23.712 beim Arbeitsamt gemeldete Bewerber für Berufsausbildungsstellen.1 Sehr seltsam oder? Fast 50.000 freie Lehrstellen, und trotzdem so viele arbeitssuchende junge Menschen?

Natürlich könnte man jetzt ganz einfach sagen:

  • Die sind einfach zu faul zum Arbeiten.
  • Die jungen Leute sind zu verwöhnt.
  • Von denen will sich keiner mehr die Hände schmutzig machen.

Aber vielleicht ist die Lösung viel komplexer? Dieser Frage möchte ich in meinem ersten Blogartikel 2018 auf den Grund gehen.

Apropos: Ich wünsche dir ein frohes neues Jahr.

Ein Blick in die Statistik

Ich kann mich nur gut erinnern, dass letztes Jahr die magische Zahl 48.937 wie ein Schreckgespenst durch die Medienwelt waberte. Mit einem Aufschrei verbreiteten Fernsehsender und Radios, wie viele freie Ausbildungsplätze es gäbe. Wenn man sich im Vergleich dazu aber mal ansieht, wie viele Ausbildungsplätze besetzt wurden bzw. wie viele junge Menschen erfolgreich einen Ausbildungsplatz gefunden habe, wirkt das ganze schon mal etwas angenehmer:

547.824 Bewerber für Berufsausbildungsstellen

549.785 gemeldete Berufsausbildungsstellen

524.112 versorgte Bewerber für Berufsausbildungsstellen

Soooooo faul und unnütz sind die jungen Menschen also gar nicht, ne?

Wie könnte man die Zahl der unbesetzten Ausbildungs­­plätze senken? Oder auch: Was können Ausbildungs­betriebe tun?

Vielleicht bist du gleich überrascht – aber die Antworten auf die Frage, was man gegen die hohe Zahl der freien Ausbildungsplätze tun kann, sind im Grunde total banal.

1. Eine Analyse der Ist-Situation

Schaut man sich an, in welchen Branchen die meisten Ausbildungsplätze freigeblieben sind,
kommt man auf diese Top 3:

  • Handwerk
  • Einzelhandel
  • Gastronomie

Oder anders gesagt: Die Jobs mit der größten Arbeitsunzufriedenheit und der höchsten Zahl an Ausbildungsabbrüchen.2 Mit welchen Herausforderungen Auszubildende besonders zu kämpfen haben und was Unternehmen und Ausbilder dagegen tun können, erfährst du in meinem Artikel über den Azubi-Report 2016.

Obwohl mehrere Studien inzwischen die folgenden fünf Hauptgründe für Probleme anführen:

  1. Konflikte mit Ausbildern,
  2. eine mangelhafte Ausbildungsqualität und
  3. schlechte Arbeitsbedingungen
  4. Ursache 4 und 5 folgen gleich

wird der schwarze Peter in der Öffentlichkeit doch viel zu oft den jungen Menschen zugeschoben.

2. Verbesserung der Arbeitsbedingungen

Daher solltest auch du als Ausbilder mal kritisch hinterfragen, welche Arbeitsbedingungen ihr bietet. Nicht nur den Auszubildenden, sondern auch den Fachkräften. Dir muss bewusst sein, dass jeder eurer Mitarbeiter – von Aushilfen, über Mini-Jobber bis hin zu Führungskräften, Aushängeschilder für euer Unternehmen sind. Zufriedene Mitarbeiter sprechen positiv über ihr Unternehmen und ziehen entsprechend gute Mitarbeiter an. Umso wichtiger ist es, das eigene Personal zu hegen und zu pflegen.

Zwar sind Worte wie Auszubildenden- und Fachkräftemangel in aller Munde, aber die Konsequenz daraus, dass potenzielle Mitarbeiter sich nicht mehr buchstäblich bewerben, sondern Unternehmen um sie werben müssen, ist noch nicht überall angekommen.

Der Zusammen­hang von Image und Bewerber­zahl

Du wirst es dir schon denken können, aber daher beeinflusst der Ruf deines Unternehmens den Erfolg oder Misserfolg des Ausbildungsmarketings maßgeblich.

  • Je besser das Image eures Unternehmens, umso mehr geeignete Bewerber mit guten Voraussetzungen
  • Je schlechter das Image eures Unternehmens, desto mehr ungeeignete Bewerber zieht ihr an. Diese betrachten dein Unternehmen im schlimmsten Fall eher als Notnagel, bevor sie arbeitslos sind.
  • Bei einem richtig miesen Image bleiben die erhofften Bewerbungen vielleicht sogar ganz aus.

3. Modernes Ausbildungsmarketing

 

Was ist Ausbildungsmarketing?

Die Bezeichnung Ausbildungsmarketing umfasst alle Maßnahmen zur Besetzung freier Ausbildungsplätze. Dazu gehören beispielsweise Anzeigen in Print- und anderen Medien, Tage der offenen Tür, euer Internetauftritt usw.

Vor allem mittelständische Unternehmen setzen sehr oft auf klassisches Ausbildungsmarketing – in Form von Werbung in der Zeitung. Das ist nicht falsch, bitte mißverstehe mich nicht – aber einem muss bewusst sein, dass man damit nicht mehr unbedingt die jungen Menschen selbst erreicht, sondern meistens ihre Eltern und Großeltern. Nur noch etwa 21 Prozent der jungen Menschen lesen eine Tageszeitung!3 Dagegen surfen aber 99 Prozent der jungen Menschen zumindest gelegentlich im Internet.4

Daher ist es unerlässlich darauf zu achten, wie das Unternehmensimage in den sozialen Medien und allgemein im Internet ist. Mein wichtigster Tipp daher ist: Google dich bzw. dein Unternehmen regelmäßig. Vor allem Bewertungsportale wie Kununu aber auch soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Instagram bergen die Gefahr, in ein schlechtes Licht gerückt zu werden. Während meiner Tätigkeit als Beraterin für Ausbildungsbetriebe habe ich bereits mehrfach erlebt, dass Personalverantwortlichen sprichwörtlich schlecht wurde, als sie lasen, was im Internet über ihr Unternehmen geschrieben wurde.

 

Wie ist die Meinung über dein Unternehmen im Netz?

Solltest du negative Dinge im Netz über dein Unternehmen entdecken, ist es keine Lösung, den Kopf in den Sand zu stecken! Wenn es die Möglichkeit gibt zu kommentieren, nutzt die Chance einer freundlichen, aber aussagekräftigen Stellungnahme zu den Vorwürfen.

 

4. Zeigt wer ihr seid und was ihr bietet

Eine schöne Möglichkeit des Ausbildungsmarketings sind Recruitingvideos. Ein tolles Beispiel der Firma iwis aus München findest du auf https://www.netzfilm.de/employer-branding/. Solche Recruitingfilme sind anders als Imagefilme keine Werbefilme für Produkte oder Leistungen, sondern zielen auf eine Darstellung des Unternehmens bzw. dessen Ausbildungsmöglichkeiten ab. Besonders spannend sind hier Kurzfilme aus Sicht der Auszubildenden – denn nichts ist aussagekräftiger als ein strahlender Auszubildender, der von seiner spannenden Arbeit in deinem Unternehmen erzählt.

So räumt ihr auch direkt mit einem weiteren Grundproblem (siehe 1. bis 3. in der o.a. Liste) auf: falschen Berufsvorstellungen von jungen Menschen. Je ehrlicher der Einblick in dein Unternehmen, umso besser.

5. Auszubildende sind keine Arbeitnehmer zweiter Klasse

Wie ich oben bereits erwähnte, ist die Mitarbeiterpflege ungemein wichtig. Dazu zählt auch als Ausbilder ein offenes Ohr für die persönlichen Belange der jungen Menschen zu haben und sie ernst zu nehmen. Ganz abgesehen davon solltest du Sätze wie “Lehrjahre sind keine Herrenjahre”
aus deinem Vokabular löschen. Natürlich sollen die jungen Menschen wissen, dass Sie sich bestimmten Regeln und Normen in einem Unternehmen beugen müssen – aber das ganze sollte dennoch mit Respekt vonstatten gehen.

Katja Schönefeld
Huhu, ich bin Katja!
Ich unterstütze dich dabei, dir ein effizientes Team aus freien Mitarbeitern, Angestellten und/ oder Auszubildenden aufzubauen, um dein Business wachsen zu lassen.

Mein Angebot für dich


Dein Care-Paket für die optimale Vorbereitung auf die Ausbilder­eignungs­prüfung

mehr als 110 AdA Schein Prüfungsfragen zum Ankreuzen in meinem Online-Quiz
über 210 offene Fragen für die mündliche AdA Prüfung
meine Tipps aus 6 Jahren Prüfungsvorbereitung auf die Ausbilder­eignungs­prüfung
die Möglichkeit mir online Fragen zu stellen
optional: Feedback zum schriftlichen Entwurf deiner praktischen Durchführung bzw. Präsentation


mehr erfahren

Quellen und Hinweise

  1. Quelle: Bundesagentur für Arbeit: Ausbildungsstellenmarkt – Die aktuellen Entwicklungen im Berichtsjahr 2016/2017 in Kürze – Stand: September 2017, auf: https://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Statistik-nach-Themen/Ausbildungsstellenmarkt/Ausbildungsstellenmarkt-Nav.html; abgerufen am 14. Januar 2018
  2. Quelle: Berufsbildungsbericht 2017, auf: https://www.bmbf.de/pub/Berufsbildungsbericht_2017.pdf – S. 76 und 77; abgerufen am 14. Januar 2018
  3. Quelle: Statista: Anteil der befragten Jugendlichen, die folgende Medien täglich oder mehrmals in der Woche nutzen in den Jahren 2004 bis 2017, auf: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/168014/umfrage/nutzungsentwicklung-von-printmedien-bei-jugendlichen-seit-2004/; abgerufen am 14. Januar 2018
  4. Quelle: Statista: Anteil der befragten Kinder und Jugendlichen, die zumindest gelegentlich das Internet nutzen, nach Altersgruppen in Deutschland in den Jahren 2014 und 2017, auf: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/298170/umfrage/internetnutzung-von-kindern-und-jugendlichen-in-deutschland/; abgerufen am 14. Januar 2018